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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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abgeschlossen wurde. Frankreich erhielt als Siegespreis dasElsaß, soweit es Oesterreich gehört hatte, Schweden dashalbe Pommern nebst der Insel Rügen und andern deutschenGebieten. Die Schweiz und die Niederlande, die tat-sächlich längst vom deutschen Reiche getrennt waren,wurden als unabhängige. Staaten anerkannt. Auch erhieltjeder deutsche Reichsfürst alle Rechte eines selbständigenLandesherrn, sogar dasjenige, mit dem Ausland Bündnissezu schließen, und der Kaiser verlor als Reichsoberhaupt denletzten Rest seiner Macht. In kirchlichen Dingen wurdeder Augsburger Religionsfriede von 1555 bestätigt und denEvangelischen neuerdings gleiches Recht mit den Katholikenzugestanden. Eines hatte Ferdinand II. doch erreicht:Deutschland, das vorher zu neun Zehnteln protestantischgewesen, war jetzt wieder zur Hälfte katholisch. Dafürwaren aber drei Vierteile seiner Bewohner von der Erdeverschwunden und Tausende von Ortschaften zu Brandstättengeworden. Überall war das Land verwüstet, der Wohlstandvernichtet, Handel und Gewerbe gelähmt, jede Bildung unterdem wüsten Kriegslärm erstorben. Es dauerte mehr als einJahrhundert, bis das deutsche Volk die Folgen dieses schreck-lichen Krieges überwunden hatte.

III. Das Zeitalter desunumschränkten Königtums.

§ 46. Ludwig XIV.

1. Ludwig XIV. (16431715). Während Deutsch-land so tief daniederlag, erhob sich Frankreich zummächtigsten Staate Europas. Heinrichs IV. Sohn und Nach-folger, Ludwig XIII., war zwar ein unbedeutender Fürst-,aber für ihn arbeiteten hervorragende Staatsmänner, wie derKardinal Richelieu, als Minister (Diener) an der Größedes Landes. Leider suchten sie diese Größe auf falschen