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3. Hinrichtung Karls I. (16491. — Aber nun brachunter den Siegern selber Zwietracht aus. Im Laufe der Zeitwaren in England zahlreiche Sekten entstanden, die sichtrotz grausamer Verfolgung völlig von der Landeskirche ge-trennt hatten. Aus solchen Sektierern hatte Oromwell größten-teils sein Heer gebildet und er verlangte jetzt im Namender tapfern Krieger Duldung (Toleranz) für jede christlicheGemeinde oder Sekte, daß sie nach ihrem Ermessen Gottfrei dienen dürfe. Allein auch unter den Puritanern war dasVerständnis für die Glaubensfreiheit noch wenig verbreitet.Die große Mehrheit im Parlamente wie im Volke wolltezwar die Landeskirche von den katholischen Überbleibselnsäubern, aber keinerlei Sekten dulden. So entspann sichüber der großen Frage der Glaubens- und Gewissens-freiheit ein Streit zwischen Parlament und Heer, an demniemand größere Freude hatte, als der gefangene König.Karl I. hoffte, daß die verhaßten Gegner sich untereinanderzerfleischen würden, und schürte den Streit nach Kräften,indem er beiden Teilen trügerische Versprechungen machte.Das treulose Spiel schlug indes nur zu seinem eigenen Ver-derben aus. Die Soldaten verloren die Geduld und forderten,daß der König als Urheber all des Blutvergießens gerichtetund daß das Königtum überhaupt abgeschafft werde. Alsdas Parlament sich dagegen sträubte, ließ Cromwell dasSitzungsgebäude mit Soldaten umstellen und alle Gegner desHeeres aus der Versammlung ausstoßen. Seit diesem Gewalt-streich gegen die höchste Behörde des Landes waren dieSoldaten die wahren Herren desselben, zum Glück Soldaten,die diesen Beruf nicht um des Soldes und der Beute willen,sondern zum Schutz ihrer Freiheit und ihres Glaubens er-griffen hatten. Ernste Frömmigkeit und strenge Sittlichkeitbeseelte diese „Heiligen Cromwells“. Keinen Fluch, kein Spiel,keinen Trunk, keine Ausschweifungen irgendwelcher Art dul-deten sie unter sich. Das „gereinigte Parlament“ setzte ihremWillen gemäß einen außerordentlichen Gerichtshof ein, derden König als Tyrann, Verräter, Mörder und Feind des