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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Schlägen, Fußtritten, Fauststößen und Spießrutenlaufen zuwunderbarer Fertigkeit abgerichtet wurde. Sein größterStolz war ein Leibregiment von lauter Riesen, di&- er ausganz Europa zusammenwerben und stehlen ließ. Kein hoch-gewachsener Mensch, ob Student, ob Bauernbursche, warvor den Listen seiner Werber sicher. Da er trotz diesergewaltigen Rüstung beständig im Frieden lebte, spotteteman an den übrigen Höfen über die Soldatenliebhaberei desPreußenkönigs. Man ahnte nicht, welch furchtbares Werk-zeug er da einem Großem als er zubereitete.

3. Friedrich der Große als Kronprinz. Daswar sein Sohn, Friedrich II., der Große. Dieser be-rühmteste aller preußischen Herrscher hatte eine Jugenddurchzumachen, um die ihn kein Taglöhnerkind beneidethätte. Der Vater trachtete aus ihm vor allem einen Sol-daten zu machen und zwang ihn, von früher Jugend aufmit Flinte und Patrontasche zu exerzieren, Schildwache zustehen u. s. w., während er ihm nur die notdürftigste Bil-dung zukommen lassen' wollte. Allein sein Erzieher, einfeingebildeter Franzose, weckte in dem begabten JünglingeLust und Liebe zu geistiger Beschäftigung. Friedrich konnteseinen Überdruß an der einförmigen Soldatenspielerei nichtverbergen, las hinter dem Rücken des Vaters französischeBücher, trieb Flötenspiel u. drgl. Der König begann deshalbden Kronprinzen als einen Bücherwurm zu verachten undwollte ihn zwingen, zugunsten seines jüngeren Bruders demThron zu entsagen. Als sich Friedrich weigerte, mißhandelteer ihn bei jeder Gelegenheit, sogar in Gegenwart Fremder,mit Stock und Faust und fügte noch den Hohn hinzu, wenner so behandelt worden wäre, hätte er sich längst totgeschossen;aber Friedrich habe keine Ehre im Leibe und lasse sich allesgefallen. Zuletzt suchte sich der Prinz dieser Tyrannei durchFlucht nach England zu entziehen. Der Plan wurde jedochverraten. Der König geriet außer sich vor Zorn; wenig fehlte,daß er den Sohn mit eigener Hand erwürgt hätte. Erließ ihn als Gefangenen nach der Feste Kiistrin bringen.