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und ein Kriegsgericht sollte über ihn als „Ausreißer“ denTod erkennen. Da sich dieses weigerte, über den Kron-prinzen zu Gericht zu sitzen, begnügte sich der König mitseiner Einsperrung. Dagegen wurde Friedrichs Freund, derLieutenant Katte, als Mitwisser vor seinen Augen hin-gerichtet. Völlig zerknirscht unterwarf sich der unglücklichePrinz allem, was ihm der Vater auferlegte. Dadurch erhielter nach anderthalb Jahren seine Freiheit zurück und lebtenun fern von Berlin auf einem Schlosse, wo er sich denStudien nach Herzenslust hingeben konnte und sogar selberverschiedene Druckschriften in französischer Sprache ver-faßte. Darin legte er merkwürdig freisinnige Grundsätze anden Tag. Er geißelte die falsche Ruhmsucht und den Hoch-mut der Fürsten und erklärte, sie sollten sich nicht alsHerren, sondern nur als die „ersten Diener“ ihrer Völkerbetrachten. Als Friedrich Wilhelm I. 1740 starb, erwarteteman daher allgemein, daß mit Friedrich II. ein friedlicher 1740Fürst den Thron besteige. Allein in seiner Seele regten sichganz andere Gedanken. Er wollte vielmehr das Heer, dasihm sein Vater hinterließ, sofort gebrauchen, um Preußen zuvergrößern und es den mächtigsten Staaten Europas eben-bürtig zu machen. Anlaß dazu gab ihm das Erlöschen desliabsburgischen Mannsstammes in Oesterreich.
4. Der österreichische Erbfolgekrieg (1740—48).—
Auch Oesterreich hatte seit der Zeit des 30jährigen Kriegesseine Macht verdoppelt. 1683 war noch einmal ein ungeheuresTürken he er vor Wien erschienen; aber mit Beihilfe destapfern Polenkönigs Johann So biesky hatten die Kaiser- 1683liehen den Feind unter den Mauern der Stadt aufs Haupt ge-schlagen. Seitdem drängten die österreichischen Heerführer,unter denen sich Prinz Eugen, „der edle Ritter“, denhöchsten Ruhm erwarb, die Türken in glorreichen Kämpfenzurück und nahmen ihnen ganz Ungarn und Sieben- 1699.1718bürgen ab. Dazu kamen die Lombardei und Belgien,die Prinz Eugen im spanischen Erbfolgekriege für den Kaiser 1701—14eroberte, so daß dieser jetzt als Beherrscher seiner zahl-