273
war, seine Grenzen zu verwahren. Im siebenjährigen Krieghatte sich Polen neutral erklärt, aber die russischen Armeendurchzogen das Land nach ihrem Belieben. Wohl erkannteneinzelne polnische Patrioten, daß die Verfassung verbessertwerden müsse, wenn nicht ihr Vaterland in den Abgrundhinunter rollen sollte. Aber es war zu spät. Unmittelbarnach dem siebenjährigen Krieg schlossen Katharina II. vonRußland und Friedrich der Große von Preußen eingeheimes Bündnis, worin sich die beiden versprachen, alleszu hindern, was den wüsten Zuständen in Polen ein Endemachen könnte. Die Verblendung des unglücklichen Volkesarbeitete den Feinden in die Hände. Es gab in Polen Parteien,die sich nicht scheuten, fremde Hilfe anzurufen. So erhieltKatharina II. den erwünschten Vorwand, das Land mit ihrenTruppen zu überschwemmen. Um Polen nicht ganz in rus-sische Hände fallen zu lassen, machte Friedrich der Großeder Zarin den Vorschlag, es zu zerstückeln. Auch Oester-reich wurde eingeladen, mitzuhalten. Maria Theresia emp-fand einige Gewissensbisse, den Polen die Hilfe, die sie einstihrem Großvater gegen die Türken geleistet hatten, in dieserWeise zu vergelten. Auf Zureden ihres Sohnes Joseph II.gab sie dennoch ihre Zustimmung, und die drei Mächte teilten1772 zunächst ein Viertel des polnischen Reiches unter sich, 1772ohne daß sich eine Hand dagegen gerührt hätte.
2. Zweite und dritte Teilung (1793—95). — DasUnglück öffnete endlich den Polen die Augen. Während ihrgefährlichster Feind, Katharina II., im Bund mit Joseph II.in den Krieg gegen die Türken verwickelt war, schafften siedas Veto ab und gaben sich eine bessere Verfassung, unterder das Land noch hätte glücklich werden können. Aberkaum war dieselbe in Kraft erklärt, so schloß Katharinamit den Türken, die ihr das Gestade des Schwarzen Meeresbis zum Dnjestr überlassen mußten, Frieden und wandteihre Waffen gegen Polen. Auch Preußen ließ seine Truppeneinrücken. Unter der Übermacht erstarb der Widerstandund wieder riß jede von den drei Mächten einen Fetzen 1793
Occksli, Allgemeine Geschichte.
18