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das Feldgeschrei der französischen Höflinge, Minister undGeneräle; doch schob Napoleon den Krieg mit Preußen inböser Vorahnung immer hinaus. Nun erhob sich aber auchim Innern die republikanische Partei unter der FührungGambettas, Jules Favres und anderer immer mächtigergegen dieses Regiment, welches all das Despotische desersten Kaisertums ohne dessen Größe an sich trug. Nur einerfolgreicher Krieg schien den wankenden Thron der Napo-leoniden noch retten zu können.
6. Der deutsch-französische Krieg bis Sedan(19. Juli bis 2. September 1870). — Im Jahre 1870 war eineWeile die Rede davon, die Krone Spaniens, wo dieBourbonen durch eine Revolution vorübergehend vertriebenworden waren, einem entfernten Verwandten des Königs vonPreußen zu geben. Auf die Einsprache Frankreichs tratindes derselbe sofort freiwillig von jeder Bewerbung zurück.Damit nicht zufrieden, verlangte die französische Regierungvon König Wilhelm ein bestimmtes Versprechen, daß erniemals seine Einwilligung geben werde, falls sein Verwandterwieder für den spanischen Thron in Vorschlag gebracht werde.
19. Juli Als der König diese Zumutung ablehnte, wurde an Preußen1870 der Krieg erklärt. Dabei hegte Napoleon III. die trügerischeHoffnung, Süddeutschland werde sich aus Rache für die 1866erlittenen Niederlagen auf seine Seite stellen. Allein imSüden wie im Norden hatte man seitdem die Überzeugunggewonnen, daß Preußen der Hort des neuen Deutschlandsei. Das ganze deutsche Volk flammte in gerechtem Zornegegen die frevelhafte Art auf, wie ihm der Krieg aufgezwungenwurde, und diese Stimmung machte jedem Schwanken derFürsten ein Ende. Und während man sich östlich vomRhein längst auf diesen Fall sorgfältig vorbereitet hatte,zeigte es sich, daß Frankreich infolge der liederlichen, un-getreuen Verwaltung der napoleonischen Beamten zu einemso ungeheuren Kriege gar nicht gerüstet war. So blieb derAusgang nicht lange zweifelhaft. Durch siegreiche Kämpfe4 . 16 . Aua-, bei We i ß e n b u r g, Wö r t h und S p i c h e r e n an der elsässiscli-