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gesetzten Landesregierung zu Versailles den Gehorsam ver-sagte. Da die Unterhandlungen mit der Commune, d. h.mit dem von den Aufständischen gewählten Stadtrat, frucht-März_Mai los blieben, mußte die Regierung in regelrechter Belagerunggegen Paris vorgehen, das schließlich unter wahnsinnigenGreueln von beiden Seiten erstürmt wurde. Aber wider Er-warten rasch erholte sich das Land von den schrecklichenWunden dieses zwiefachen Krieges. Schon im Herbst 1873waren die fünf Milliarden abbezahlt und die Befreiung Frank-reichs von den fremden Truppen vollendet. Die Umtriebeder monarchischen Parteien, die anfänglich in der National-versammlung die Mehrheit hatten, scheiterten an ihrer eigenenZwietracht und an der Einigkeit der Republikaner, die anThiers und Gambetta kluge und energische Führer hatten.So befreundete sich das Land mehr und mehr mit der Re-1875 publik, und im Jahre 1875 erhielt diese eine endgültige Ver-fassung, nach welcher die Gesetzgebung einem Senat undeiner Deputiertenkammer und die Regierung einem aufsieben Jahre gewählten Präsidenten, der seine Ministerernannte, übertragen wurde. Schon nimmt die französischeRepublik, die inzwischen unermüdlich an der Hebung ihrerWehrkraft, Volks Wohlfahrt und Volksbildung gearbeitet hat,wieder einen ehrenvollen Rang unter den Mächten Europasein, und es steht zu hoffen, daß der beständige Kreislauf desschönen Landes vom Despotismus zur Anarchie und von dieserwieder zum Despotismus mit der dritten Republik sein Endeerreicht hat.
§ 62. Der Osten.
1. Der Krimkrieg (1853—56). — Im Abendland brachnach den Ereignissen von 1870/71 eine Zeit des Friedens an,zumal das mächtige neue Deutsche Reich unter der LeitungKaiser Wilhelms I. und seines vielbewunderten Ratgebers,des Reichskanzlers Bismarck, seinen Glanz nicht in „neuenkriegerischen Eroberungen, sondern in den Gütern und Gabendes Friedens, auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt und Ge-