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Die friedliche Arbeit dieses vielleicht etwas zu beschaulichen Lebenssollte nicht ungestört bleiben. Im Westen lauerte ein ganz andersgeartetes Volk, das sich anschickte, mit unverbrauchter Kraft vorzustoßenund einen großen Teil Europas zu überfluten.
6. Die jüngere Eisenzeit oder Latonezeit (etwa 400 bis58 v. Chr.). — Bei Latöne am Neuenburgersee fand man in denResten einer Ufersiedlung Haufen von Waffen und Geräten aller Art.Neben langen Eisenschwertern, Speerspitzen, Schilden, Wagenrädernund Pferdetrensen lagen Beile, Sägen, Sensen, Sicheln, Scheren,Hämmer, Meißel, Zangen, Kochkessel, ein ledernes Sattlerbesteck mitnicht weniger als neunzehn Werkzeugen und vieles andere, sogar Münzenund Spielwürfel. Manches davon muß fabrikmäßig hergestellt seinund trägt einen Stempel. Die Tongefäße sind auf der Töpferscheibegeformt. Man wird nicht fehlgehen, wenn man dabei an eine ArtZeughaus denkt, das einen Teil der Westschweiz zu versorgen hatte.Diesem Fundort verdankt die ganze Kultur, die sich am Ende der Hall-stattzeit ostwärts ausbreitete, den Namen. Ihre Träger sind die Kelten,ein zahlreiches, unternehmungslustiges Volk, das ursprünglich an denKüsten der Nordsee und des Atlantischen Ozeans daheim war unddessen Hauptmasse in Frankreich saß. Hochgewachsen und blond wiedie Germanen, todesmutig, lebhaft und witzig, geschickt in mancherleiKünsten, so werden sie uns später geschildert. Obwohl sie in ständigerBerührung mit der damals schon weit fortgeschrittenen südlichen KulturItaliens und der griechischen Kolonien lebten und davon stark beein-flußt wurden, hielten sie doch noch lange an manchen urtümlichen Ein-richtungen fest. So war das Menschenopfer allgemein üblich und dieMacht der Druiden, einer Priesterkaste, die zugleich das Amt vonLehrern, Richtern und Ärzten versah, unbeschränkt. Über die keltischeReligion find wir ungenügend unterrichtet. Bezeichnend ist, daß diePferdegöttin Epona eine Hauptrolle spielte. Die Kunst verrät eineVorliebe für lebhafte Farben, für Korallen, Email und bunte Perlen,aber auch für hübsch durchbrochene Metallarbeiten. Dieses gewaltigeVolk also überflutete nun mit seinen Heerhaufen Oberitalien, dieRhein- und Donauländer bis in den Balkan hinein; ja, einzelneScharen gründeten im 3. Jahrhundert v. Chr. mitten in Kleinasiendas galatische Reich, dessen Namen jedermann aus den Briefen desApostels Paulus kennt. Ihren Meister fanden die Kelten schließlichin Cäsar, der seit 58 v. Chr. von der Provence aus einen ihrer