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Obrigkeit und wählten nur für den Krieg einen Herzog, d. i. Heer-führer. Ueber alle wichtigen Angelegenheiten des Stammes entschieddie Volksversammlung. Zu gewissen Zeiten, bei Vollmond oderNeumond, kamen die Freien der ganzen Völkerschaft bewaffnet zu-sammen, hielten Heerschau, berieten über Krieg und Frieden, richtetenüber todeswürdige Verbrechen und vernahmen die Vorschläge an-gesehener Männer. Gefielen sie ihnen, so schlugen sie die Speereklirrend zusammen; wo nicht, so ertönte unwilliges Geschrei. Da wur-den auch die Jünglinge durch feierliche Verleihung von Speer undSchild wehrhaft gemacht, da die Fürsten oder Häuptlinge, die denHundertschaften, d. h. den Bezirken, in die das Gebiet des Stammeszerfiel, als Richter und Anführer im Kriege vorstanden, aus demAdel gewählt. Ueber den gewöhnlichen Freien standen nämlicheinzelne durch Ruhm und Reichtum hervorragende Geschlechter alserblicher Adel, unter ihnen dagegen dieUnfreien, die wieder in dieeigentlichen Sklaven und die etwas besser gestellten Hörigenzerfielen.
3. Drusus an der Elbe (9 v. Chr.). — So war das Volk be-schaffen, das der römischen Weltherrschaft Schranken setzen und zu-letzt ein Ende bereiten sollte. Noch hatte Rom seine Machthöhe nichterreicht, als der Ringkampf zwischen ihm und den streitbaren Ger-manen in den Zügen derCimbern und Teutonen seinen Anfangnahm (I. S. 266). Zuerst neigte sich der Sieg auf Seite der Römer,dank der Kriegskunst des Marius, der die Cimbern und Teutonenvernichtete, und der Feldherrngröße Cäsars, der durch die EroberungGalliens dem Vordringen der Germanen gegen Westen einen festenDamm entgegensetzte (I. S. 279). Ja, unter Augustus schien es,als ob diese das Schicksal der Gallier teilen müßten. Ihrer räuberischenEinfälle am Rheins satt, beschloß der Kaiser ihre Unterwerfung. Ersandte seinen Stiefsohn Drusus gegen sie, und dieser drang vomRheins aus durch das unwirtliche Land siegreich bis zur Elbe vor.Zwar machte ein Sturz vom Pferde dem Leben des jungen Heldenin dem fernen Lande ein Ende; aber sein Bruder Tiberius vollendetedas Werk, und Germanien bis zur Elbe war um Christi Geburt einerömische Provinz geworden.