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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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burgerwal d.*) Schauerlich heulten die Herbststürme, entwurzelteBaumstämme versperrten die Wege, der Boden war durch den unauf-hörlichen Regen in Morast umgewandelt und mühsam arbeitete sichdas Heer vorwärts. Plötzlich zeigten sich Haufen bewaffneter Ger-manen: von vorn, von hinten, von allen Seiten her brachen diese mitwildem Schlachtruf auf die bestürzten Römer ein. Am Abend vorherhatte Arnim noch mit Varus im Feldherrnzelte gespeist und war dannweggeritten, angeblich, um kleinere Truppenabteilungen zu holen.Jetzt sahen ihn die Römer wieder, aber nicht als Freund und Helfer,sondern als rastlosen Verfolger. Drei Tage lang suchten sich die An-gegriffenen unter unendlichen Mühsalen dem Verderben zu entziehen,aber in dem sumpfigen Waldesdickicht ward alle Kriegskunst zu Schan-den. Verzweiflungsvoll stürzte sich Varus in sein Schwert, vieleOffiziere folgten seinem Beispiele und der Rest der Seinen ergab sichden Siegern. Diese nahmen furchtbare Rache an ihren Bedrängern;die Hauptleute opferten sie den Göttern oder schlugen sie aus Kreuz,andere wurden auf entsetzliche Weise verstümmelt und der Rest alsSklaven verteilt. Ein Heer von über 30,000 Mann war völlig ver-nichtet, und jede Spur von römischer Herrschaft verschwand ostwärts vomRheins. Der greise Augustus zerriß seine Kleider, öfters hörte man ihnschmerzlich rufen:Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!"Schon sah man in Rom im Geiste die Deutschen an den PfortenJtaliens.

5. Armins Ende. Die Sieger begnügten sich jedoch mitihrer Befreiung. Des Drusus tapferer Sohn, Germanicus, drangsogar als Feldherr des Kaisers Tib erius wieder tief in Deutschland einund rächte die Schmach, indem erArminin mehreren Schlachten zumWeichen brachte und dessen Gemahlin Thusnelda gefangen zu Romim Triumph aufführte. Aber der unermüdliche Vorkämpfer der

2) Gewöhnlich nimmt man an, daß der Teutoburgerwald, von demdie Römer berichten, identisch sei mit dem Höhenzuge des Osning, der dasTal der Lippe von dem der Weser scheidet. Indessen sprechen Münzfundedafür, daß das Schlachtfeld eher weiter nördlich, in dem parallel mit demOsning von Minden zur Huntequelle streichenden Wiehengebirge zu suchenist. Siehe Mommsen, römische Geschichte V. S. 43.