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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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deutschen Freiheit war nur geschlagen, nicht besiegt; immer stand eraufs neue drohend da. Zuletzt verdroß es den Tiberius, sein Geld undseine Soldaten nutzlos aufzuopfern; er rief seinen Neffen zurück undgab jeden Gedanken an eine Eroberung Deutschlands auf, indem ersagte, man könne die Germanen bei ihrer inneren Zwietracht ruhigsich selbst überlassen. So wurde Armins Sieg zum entscheidendenWendepunkt; ohne ihn wäre Germanien wie Gallien ein römischesLand geworden, und schwerlich klänge heute die deutsche Zunge an denUfern des Rheines, der Weser und der Elbe. Armin selber fand eintrauriges Ende. Es hieß, er strebe nach der Königswürde, und erfiel durch Meuchelmord, erst 37 Jahre alt. Aber noch lange sangendie Deutschen denRuhm des Helden in Liedern, die leider verschollen sind.

6. EinfällederMarkomannen, Goten, AlamannenFranken und Sachsen (seit 166). Ulfilas (um 350). Vonnun an beschränkten sich die Römer den Deutschen gegenüber auf guteGrenzwacht. Nur die Ecke zwischen Oberrhein und oberer Donaubesetzten sie, um die Heerlager an den beiden Strömen miteinanderin nähere Verbindung zu bringen, und bezeichneten die Grenze durcheinenWall mit Türmen und Kastellen, den noch jetzt sichtbarenPfahl-graben" (lirnes), der ander Donau oberhalb Regensburg begannund unterhalb Koblenz am Rhein endigte. So behütet blühten dierömischen Lande am Rhein und an der Donau herrlich auf und er-füllten sich mit bevölkerten, reichen Städten, wie Trier (^,ugn5tLIreverornin), das eine der Lieblingsresidenzen der Kaiser wurde, Köln(Lolonia ^.Zrippina), Mainz (Nognntincurn), Straßburg (^.rgsntoraturn), Baden-Baden (^uae), Augsburg (^ngusta Vinckelicum),Regensburg (Lastra ikeZina), Wien (Vinäodoua) u. a. Aber diesefriedliche Blüte war nicht von Dauer. Schon unter Mark Aurel be-gannen die Germanen nun ihrerseits das Römerreich an-zugreifen. Von andern Völkern hinter ihnen gedrängt, über-fluteten die Markomannen in Böhmen und andere Barbaren, dieuordwärts von der Donau hausten, alles römische Land von Regens-durg bis zur Mündung des Stromes mit unzähligen Scharen unddrangen raubend und mordend bis über die Alpen. In vierzehn-jährigem Kriege brach der tapfere Kaiser die Gewalt des furchtbaren