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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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8. Radagais. Einbruch der Wandalen, Bur-gunder und Franken in Gallien (406). Kaum war Italiendieser Gefahr entronnen, so wälzten sich neue Massen von Barbarenverderbendrohend über die Alpen, unter der Führung eines OstgotenRadagais. Wohl gelang es dem trefflichen Stilicho, die zügel-losen Scharen in der Nähe von Florenz zu vernichten und Italienabermals zu retten, aber um welchen Preis! Er hatte, um den Kerndes Reiches zu schützen, die Legionen aus Britannien und Gallien her-beirufen und jene Länder preisgeben müssen. Jetzt brachen die Ger-manen verheerend über die schutzlosen Provinzen herein. Die Wan-dalen, die bis dahin in Ungarn gesessen, durchrasten das unglücklicheGallien, das sie drei Jahre lang plünderten; dann überstiegen sie diePyrenäen und brachten Tod und Verwüstung auch über Spanien.In dieser Verwirrung drangen auch dieAlamannen überdenRhein,dieBurgund er, die von der Ostsee hergekommen waren, gründetensich ein Reich um Worms, und die Franken bemächtigten sich derbelgischen Städte. Gallien und Spanien lagen in unermeßlichemElend und waren für das römische Reich so gut wie verloren.

9. Alarich in Rom (410). Die Reiche derWestgoten(419)und Wandalen(429). DieAngelsachsenin Britannien(450). Bald sollte Rom noch größere Schmach erleben. Stilicho,der Retter Italiens, wurde von neidischen Höflingen des Verrates be-schuldigt und auf Befehl des elenden Honorius getötet. Da brachAlarich von neuem los und zog ungehindert bis vor Rom, dasseit Hannibal keinen Feind mehr vor seinen Toren gesehen. Wiewaren die Zeiten geändert! Unfähig, sich zu verteidigen, erkauften dieRömer zweimal den Abzug der Goten mit allem Gold und Silber,das sich in der Stadt fand. Alarich war bereit, mit den Römerngegen Überlassung von Wohnsitzen Friede und Bündnis zu schließen;aber Honorius, der inRavenna residierte und sich für seine Personin dieser damals in einer Lagune gelegenen Stadt sicher fühlte, ver-warf seine Vorschläge. Da rückte der Germanenfürst zum drittenmalvor Rom und erstürmte es (410). Menschlicher als die Römer beiähnlichen Gelegenheiten, begnügte er sich mit einer dreitägigen Plün-derung. Dann zog er mit seiner Beute, worunter sich auch die Schwester