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erfüllt von unermäßlichen Schätzen. Gesandtschaften aus allen Teilender Welt begegneten sich hier; neben Hunnisch ward auch Gotisch,Griechisch und Lateinisch an Attilas Hofe gesprochen. Die Kaiser inKonstantinopel und Rom suchten die Wut des furchtbaren Eroberers,der „Gottesgeißel", wie die Völker Attila nannten, durch Geschenke vonsich abzulenken, aber vergeblich. Ein unersättlicher Ehrgeiz beseelteden Hunnenkönig; die ganze Welt sollte sein werden. Mit einer halbenMillion Streiter brach er im Jahre 451 über den Rhein inGallienein und verheerte alles weit und breit. Da stellte sich ihm A 8 tius,der letzte große Feldherr Roms, entgegen. Aötius war mit Erfolgbestrebt gewesen, am Rhein und an der Donau die römische Herrschaftwieder aufzurichten. Mit hunnischen Söldnern hatte er die Bur-gunder um Worms angegriffen und deren König Günther in einemKampfe vernichtet, den die deutsche Sage in dem Heldengedicht derNibelungen verewigt hat. Den Rest des Volkes hatte er dann zu Gna-den angenommen und als römische Untertanen südlich vom Genfersee,in Savoyen, angesiedelt. Jetzt strömten die burgundischen Kriegergehorsam unter seine Fahnen, auch dieFranken stellten ihm angesichtsder für Römer und Germanen gleich bedrohlichen Gefahr Zuzug. Vorallem aber gelang es ihm, einen Bund mit den Westgoten abzu-schließen, deren König Theoderich mit einem mächtigen Heere zu ihmstieß. In den weiten Ebenen der Champagne, bei Trotzes, fiel dieEntscheidung, ob Europa der trostlosen Barbarei der Asiaten oder denbildungsfähigen romanisch-germanischen Nationen gehören solle. Fastalle Völker von der Wolga bis zum atlantischen Ozean stritten hier fürund wider Attila. Zuletzt mußten die Hunnen weichen, dank derFeldherrnkunst des Aetius und der stürmischen Tapferkeit der West-goten, deren König Theoderich den Heldentod starb. — Noch einmalsuchte Attila den Westen heim, indem er im Jahre darauf inItalieneinbrach, wieder alles verheerend und verwüstend. Damals wurdevon Flüchtlingen auf den Inseln in den Lagunen des adriatischenMeeres der Grund zu dem nachmals so berühmten Venedig gelegt.Allles zitterte vor dem grausen Eroberer; plötzlich entschloß er sichzur Umkehr. Es heißt, die Vorstellungen des Papstes L e o, der furcht-los sich in sein Lager begab, hätten ihn dazu bewogen; doch mögen