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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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zu denjenigen Turkestans verbreitete sich die Sprache des Korans undanerkannten alle Völker den Nachfolger Mohammeds als geistlichesund weltliches Oberhaupt. Freilich hatte sich die geistige Gewalt derersten Kalifen unter den Omaijaden in eine gewöhnliche Despotie ver-wandelt. Mohammed, Abubekr und Omar hatten nur Gerstenbrotund Datteln genossen und in schlechten Hütten gewohnt; die jetzigenKalifen aber umgaben sich mit aller Pracht und Ueppigkeit des weich-lichen Orients und erlaubten sich die ärgsten Erpressungen und Grau-samkeiten. Innere Unruhen waren häufig. Im Jahre 750 wurdendie Omaijaden von einem anderen Geschlechte, den Ab a s s i d e n, diesich der Abstammung von einem Oheim des Propheten rühmten,gestürzt und mit blutiger Grausamkeit ausgerottet. Nur einem derAngehörigen der gestürzten Herrscherfamilie, Abderachman, gelanges, am äußersten Ende des Reiches Zuflucht zu finden, inSpanien,wo er sich behauptete und ein besonderes Kalifat mit der HauptstadtCordova gründete. Auch in Westafrika fanden die Abassiden keineAnerkennung, und der Anfang zur Zerstückelung des gewaltigen Reicheswar gemacht. Trotzdem waren die Abassiden noch immer die mäch-tigsten Herrscher der Welt, und ihr Sitz, das von ihnen neu gegründeteBagdad am Tigris im alten Chaldäa, wurde bald die prächtigsteund volkreichste aller Städte. Jetzt erst wandten sich die Araber unterdem Einfluß der Perser und Griechen den Künsten des Friedens zu.Gewerbefleiß und Handel blühten unter ihnen auf, und die neuenWeltstädte des Islams, Bagdad, Basra, Damaskus, Kairo und Cor-dova, verdunkelten die des alten Römerreiches. Unzählige Moscheenund Paläste erfüllten sie mit ihrer Pracht, und noch heute erregen dieherrlichen Ueberreste mohammedanischer Baukunst in Spanien wieim Morgenlande unsere Bewunderung. Auch Dichtung und Wissen-schaft fanden ihre Pflege. Die Abassiden, namentlich Harun alRaschid (d, i. der Gerechte) und dessen Sohn Al Mamun, die zurZeit Karls-des Großen lebten, ließen die Schriften der Griechen insArabische übersetzen, Bibliotheken sammeln, Schulen und Stern-warten errichten; ähnliches geschah durch die Omaijaden in Spanien.Bald übertrafen die Mohammedaner die Christen bei weitem an Gelehr-samkeit. Jahrhundertelang war das mohammedanische Spanien