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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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Dies entsetzliche Blutbad stachelte indes die Sachsen nur zu neuenverzweifelten Anstrengungen auf. Erst als die Blüte des Volkes inzwei großen Feldschlachten gefallen war und Widukind die Gnade,die ihm der Sieger anbot, annahm und sich taufen ließ, konnte Karldie Sachsen für gebändigt halten. Nur allmählich gewöhnte sich dasniedergeschmetterte Volk an den Verlust seiner Unabhängigkeit undseines alten Glaubens, der mit blutiger Strenge ausgerottet wurde.Aber die Wunden vernarbten mit der Zeit, und das sächsische Land,friedlicher Gesittung erschlossen, wurde bald eine der blühendstenProvinzen des fränkischen Reiches. Im Osten der Sachsen wohntenStämme, die einem andern großen Völkerzweige angehörten, demslavischen, welcher die in der Völkerwanderung von den Germanenaufgegebenen Sitze jenseits der Elbe eingenommen hatte. Auch diesebekamen Karls mächtigen Arm zu fühlen und wurden bis an die Oderzur Huldigung gezwungen. Die Dänen im Norden, damals argeSeeräuber, nötigte er nach längern Kämpfen zu einem Vertrage, derihnen die Eider zur Grenze setzte. Gleichzeitig erweiterte Karl seinReich nach Süden. Nach dem ersten Zuge gegen die Sachsen eilte ernach Italien, um dem Papst gegen seine alten Bedränger, die Lango-barden, beizustehen. Leicht überstieg er die schlecht verteidigtenAlpenpässe, und der feindliche König wagte nicht, sich ihm in offenerFeldschlacht zu stellen, sondern verließ sich auf die Mauern seiner festenHauptstadt Pavia. Allein, so wenig wie die Sachsen in ihren Wäl-dern, vermochten die Langobarden in ihren Städten dem gewaltigenHelden zu widerstehen; Pavia ergab sich, vom Hunger bezwungen, unddamit hatte ihr Reich ein Ende. Den gefangenen Herrscher ließ Karlin ein Kloster sperren und nannte sich fortan König der Franken undLangobarden (774). Einige Jahre später rief ihn der arabischeStatthalter von Barcelona über die Pyrenäen, da er Abderachman(s. S. 40) nicht als Kalifen anerkennen wollte. Karl, voller Freude,das Werk seines Großvaters weiterführen zu können, drang bis Sara-gossa vor. Als er aber wegen eines Aufstandes der Sachsen über diePyrenäen heimkehren mußte, überfielen die räuberischen Gebirgsein-wohner, die Basken, seine Nachhut in dem engen Tale von Roncevauxund vernichteten sie, darunter manchen teuren Kampfgenossen des