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Angelsachsen Alkuin, den gebildetsten Mann seiner Zeit, der KarlsSöhne und Töchter sowie ihn selbst unterrichtete und lange der SchuleVorstand, die der Kaiser an seinem Hofe ins Leben rief, um tüchtigeStaats- und Kirchenmänner für das Reich heranzubilden. Diese Ge-lehrten an der „Hofschule" waren Karls vertrauteste Freunde und Rat-geber. Er ließ sich von ihnen David nennen, damit kein Zwang dieVertraulichkeit störe. Alkuin zog sich später als Abt in ein Klosternach Tours zurück, wo er eine Schule gründete, die bald ein hoch-berühmter Sitz der Wissenschaft wurde. — Aber Karl schwebte einGedanke vor, den erst die Neuzeit verwirklicht hat:das gauzeVolksollte der Bildung teilhast werden. Er befahl, an allen Klösternund Bischofssitzen Schulen einzurichten, und gebot, daß jedermannseinen Sohn zum Unterricht sende und ihn darin belasse, bis er gutunterwiesen sei. Zum mindesten sollte bei Prügelstrafe ein jeder dasVaterunser und das Glaubensbekenntnis in seiner Muttersprache ler-nen. Wenn es auch dem großen Kaiser nicht möglich war, seine Ab-sicht durchzuführen, so erhielt doch das Schulwesen allerorten durchseine Vorschriften einen mächtigen Anstoß. Eine Menge Schulenwurden eingerichtet, sogar in Dörfern, und die Bischöfe schrieben denPfarrern vor, die Kinder ihrer Gemeinden unentgeltlich zu unter-richten. Man erzählte sich im Volke, der Kaiser halte es nicht für zugering, selber Schulbesuche zu machen und die Fleißigen zu loben, wiedie Faulen zu schelten, ohne Ansehen der Person. — Seinen Söhnengab er als Sporn zur Nacheiferung einen begabten deutschen Knabenzum Gesellschafter, namens Einhard, der später vom Kaiser zumAufseher seiner großartigen Bauten ernannt wurde und das Lebenseines Wohltäters trefflich beschrieben hat. Obschon die Schul- undGelehrtensprache das Lateinische war, so bekümmerte sich doch Karleifrig um seine Muttersprache. Er versuchte sich selber an einer deut-schen Grammatik, gab den Monaten und Winden deutsche Namenund ließ eine Sammlung der alten Heldenlieder veranstalten, die imMunde des Volkes lebten. Damals fanden sich gebildete Männer fastnur unter derGeistlichkeit. Deswegen wandte ihr Karl seine be-sondere Gunst zu und nahm aus ihr vorzüglich seine Räte und Mit-arbeiter. Nach Kräften sorgte er für ihre Bildung und ihren Unter-