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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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des Ortes, wo sie gerade stattfand, nahmen daran teil. Doch nur denGroßen kam wirklicher Einfluß in der Versammlung zu. Die Beschlüssederselben, sowie seine übrigen Erlasse ließ er aufzeichnen, und die soentstandene Gesetzessammlung, wegen der Einteilung in KapitelKapitularien genannt, gibt das sprechendste Bild von der erstaun-lichen/das Große wie das Kleine umfassenden Tätigkeit Karls.

7. Karls Bemühungen um das leibliche und geistigeWohl des Volkes. Alles was zur Hebung der Bolkswohlfahrtbeitrug, erfreute sich der Fürsorge des weisen Herrschers. Er ließ un-bewohnte Gegenden besiedeln und urbar machen und förderte denAckerbau namentlich auch durch sein eigenes Beispiel. Noch lebtennämlich die Fürsten weniger von Steuern, als vom Ertrage ihrer zahl-reichen Ländereien. Wie Karl in Hemden einherging, die seine Töchterselber spannen und woben, so kümmerte er sich persönlich um die Be-wirtschaftung seiner Güter, gab den Verwaltern treffliche Anordnungenund ließ sich genaue Rechenschaft vom Bestand an Sklaven und Viehan bis auf die Zahl der Speckseiten hinunter ablegen. Auch den Ge-werben wandte er seine Aufmerksamkeit zu und lehrte, wie sie auf seinenGütern durch Sklaven nutzbar zu betreiben seien. Dem Handel er-öffnete er neue Straßen, baute Brücken und machte sogar einen Ver-such, den Main und die Donau durch einen Kanal zu verbinden, derfreilich am Ungeschick seiner Bauleute scheiterte. Auch der Kunst hauchteer neues Leben ein, indem er Aachen und andere Residenzen mitschönen Palästen (Pfalzen) und Kirchen schmückte. Dabei mußteer freilich. Säulen und Bildwerke aus Italien kommen lassen, weildie Franken außer stände waren, solchen Schmuck zu verfertigen. Nichts war ihm so unerträglich, als die barbarische Unwissenheitseiner Franken, die in Bezug auf Bildung weit hinter andern Völkern,namentlich den Italienern und Angelsachsen, zurückstanden. Mit allenMitteln suchte er daher ein frischeres Geistesleben unter ihnen zuerwecken, und daß ihm dies gelang, ist wohl sein größtes Verdienst.Um den rauhen Kirchengesang der Franken zu verbessern, ließ erOrgelspieler und Sänger aus Italien kommen. Wo er einen aus-gezeichneten Gelehrten fand, da rief er ihn zu sich, so den LangobardenPaulus Diaconus, den Geschichtschreiber seines Volkes, und den

Oechsli. Bilder II und III. 1. 4