Buch 
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
Seite
77
JPEG-Download
 

77

unternehmen, schleuderte Papst GregorIX. gegen ihn den Bann.Da der Hohenstaufe hierauf wirklich in das gelobte Land zog unddas heilige Grab befreite, mußte Gregor den Bann zurücknehmen;aber Friedrich II. war nicht der Mann, um sich lange der Gunst desrömischen Stuhles zu erfreuen. Geistvoll und hochgebildet, ein Freundder Künste und Wissenschaften, die er durch Errichtung von Schulen,Bibliotheken und Sammlungen förderte, scheute er sich nicht, mitarabischen Gelehrten vertrauten Umgang zu Pflegen. Es gab nämlichnoch immer zahlreiche Sarazenen auf Sizilien, die Friedrich zwarzur Unterwerfung nötigte; aber er ließ ihnen ihren Glauben und be-handelte sie mit solcher Schonung, daß sie seine treuesten Anhängerund besten Soldaten wurden. War schon diese Duldung von Un-gläubigen mitten in Italien den Päpsten ein Greuel, so bot ihnender Kaiser noch mehr Grund zum Mißtrauen durch seine rastloseTätigkeit zur Vergrößerung seiner Macht. Um Deutschland, woFriedrich II. gewöhnlich seine Söhne unter dem Titel vonrömischenKönigen" regieren ließ, kümmerte er sich zwar wenig und ließ denFürsten dort nur zu freien Lauf. Um so eifriger war er darauf bedacht,seine Herrschaft in Italien, das er als seine wahre Heimat betrachtete,fest zu begründen. In seinem Erdreiche Neapel und Siziliengab er ganz neue Gesetze und Ordnungen, die er mit eiserner Strengedurchführte, und gewann dadurch eine so unumschränkte Gewalt über dasschöne Land, wie sie damals kein zweiter König in Europa über seinReich besaß. Unter ein gleiches Joch sollte nun auch die Nordhälfteder Halbinsel gebeugt werden. Die lombardischen Städte griffenzum Schutze ihrer bedrohten Freiheit zu den Waffen; aber Friedrich II.brachte ihnen bei Cortenuova (zwischen Mailand und Brescia) eineschwere Niederlage bei. Fast alle unterwarfen sich jetzt, selbst Mai-land war bereit, dem Kaiser gegen Zusicherung schonender Behandlungdie Tore zu öffnen. Allein Friedrich verlangte Ergebung auf Gnadeund Ungnade und verscherzte durch diesen Uebermut selbst sein Glück.Wieder fanden die zur Verzweiflung getriebenen Lombarden einenBundesgenossen am Papste. Gregor IX., dem vor der Allgewaltdes Kaisers in Italien bange wurde, erneuerte 1239 den Bann gegenihn und beseelte dadurch dessen Gegner allerorten mit neuem Mute.