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Als er bald darauf starb, führte sein Nachfolger InuocenzIV. denKampf mit unerhörter Heftigkeit und Leidenschaft weiter. Durch einKonzil zuLyon ließ er 1245 den Bannfluch gegen den Kaiser feierlichbestätigen und seine Absetzung anssprechen. Er erhob die furcht-barsten Anklagen gegen ihn, stellte Gegenkönige gegen ihn auf, zettelteVerschwörungen an gegen sein Leben, hetzte Fürsten und Völker gegenihn auf und ließ allenthalben durch Bettelmönche das Kreuz gegen ihnpredigen als einen ruchlosen Ketzer und Ungläubigen. Durch solchenMißbrauch verloren freilich die päpstlichen Waffen viel von ihrerWirkung. Ein Pfarrer in Paris sagte zu seiner Gemeinde: „Mir istbefohlen, gegen den Kaiser den Bann zu sprechen; da ich nicht weiß,wer recht hat, ob der Papst oder der Kaiser, so spreche ich hiemit denBann gegen den, auf dessen Seite die Schuld ist." Auch war Fried-rich II. ein zäher Gegner, der mit Wort und Tat seinen Verfolgernebenso schonungslos mitspielte, als sie ihm. Das ganze Reich spaltetesich in Kaiserliche und Päpstliche oder, wie man in Italien sagte, inGhibellinen *) und Guelfen (Welsen), welcher Name allmählichzur Parteibezeichnung aller Gegner der Hohenstaufen gewordenwar, und von beiden Seiten wurde mit entsetzlicher Grausamkeitund Arglist gewütet. Kein Unglücksschlag vermochte den gewaltigenKaiser darnieder zu schmettern; doch war er außer stände, den über-mächtigen Bund zwischen der Kirche und den sreiheitsstolzen Lom-barden zu überwältigen. Unbesiegt, aber auch nicht Sieger, wurdeer mitten im Kampfe vom Tode überrascht und im Dom zu Palermobeigesetzt (1250).
15. Ende der Hohenstaufen (1268). Die sizilianischeVesper (1282). — Mit Friedrich II. brach die Macht seines Hauseszusammen. Sein Sohn Konrad IV. fand in Deutschland keinenGehorsam mehr; beschloß doch eine Fürstenversammlung zu Frank-furt, keinen König mehr anzuerkennen, der nicht vom Papste bestätigtsei. Er ging daher nach Italien, um wenigstens seine Erblande zu
*) „Ghibellinen" wird gewöhnlich von „Wiblingen" (Waiblingen),einem staufischen Gute in Schwaben, abgeleitet. Nach anderen kommt dasWort Von „Gibello", womit die Araber auf Sizilien die Bezeichnung„Hohenstaufen" übersetzten.