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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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4. Das Rittertum.—Allmählich wußte die Kirche den trotzigenAdel mit würdigern Ansichten von seiner Bestimmung zu erfüllen.Schutz der Religion, der Witwen und Waisen, der Bedrängten jederArt sollte die Pflicht, edle Sitte und Hochachtung vor den Frauender Stolz des Ritters sein. Es wurde Sitte, daß man sich durch einelängere L'ehrzeit auf den edlen Beruf vorbereitete. In früher Ju-gend kam der Knabe an den Hof eines fremden Adligen. Da lernteer zunächst unter der Obhut der Gemahlin desselben als Edelknabe(Page) „höfliches" Betragen und erhielt Anleitung im Reiten undim Gebrauche der Waffen. Mit dem 14. Altersjahre begann dieeigentliche Lehrzeit; als Knappe begleitete er jetzt den Ritter zumfröhlichen Spiel der Jagd und des Turniers, wie in den blutigenErnst der Schlachten. War endlich das 21. Jahr herangekommen,so erfolgte die Schwertleite, die feierliche Aufnahme des Jünglingsin den Ritterstand. Nachdem er eine Nacht stehend in der Kirchedurchwacht, wurde er nach dem Frühgottesdienst feierlich von den an-wesenden Rittern gerüstet. Einer schnallte ihm die Sporen an, einanderer bekleidete ihn mit Helm und Harnisch, der Herr gürtete ihmdas Schwert, das Abzeichen des Ritterstandes, um und erteilte ihmhierauf den Ritterschlag mit der bloßen Hand auf den Nacken, indemer eine feierliche Ermahnung an die ritterlichen Pflichten beifügte.Die Darreichung von Geschenken, fröhliche Kampfspiele und ein Fest-mahl beschlossen die Feier. Oft belohnte auch ein alter Held auf demSchlachtfelde vor oder nach dem Kampfe eine Anzahl tapferer Knappenmit dem Ritterschläge. — Am glänzendsten zeigte sich dies neue Ritter-tum in den friedlichen Wettkämpfen, in welchen der Adel seine Krafterprobte, aus den Turnieren, den Hauptfesten des Mittelalters. Ge-wöhnlich veranstaltete ein Fürst oder sonst ein reicher Herr solche fest-liche Waffenübungen. Da strömten denn die ruhmbegierigen Rittervon allen Seiten herbei. Angesichts der reichgeschmückten Ehrenfrauen,die auf Schaugerüsten saßen, und einer zahllosen Volksmenge ritten siepaarweise oder auch in ganzen Scharen mit eingelegter Lanze aufeinander los und suchten sich vom Pferde zu stoßen oder, wenn dieLanze gebrochen war, sich mit dem Schwerte zu überwinden. Obschondie Kämpfer vom Scheitel bis zur Zehe in Eisen gehüllt und Lanzen