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im Kirchenstaate, in seiner Heimatstadt Anagni, durch Banden,die Philipp gedungen, überfallen, mißhandelt und gefangen wurde.Nach drei Tagen wurde er wieder befreit; aber die erlittene Schmachhatte den 86 Jahre alten Mann derart erschüttert, daß er nach wenigenWochen starb, der letzte jener stolzen Reihe weltbeherrschender Kirchen-fürsten, die mit Gregor VII. begonnen hatte.
2. Ende der Templer (1312). — Unerbittlich verfolgte Philippder Schöne seinen Sieg. Er wußte es durch seine Ränke dahin zubringen, daß die Kardinäle einen französischen Bischof zum Papst wählten,Clemens V., und daß dieser seinen Sitz zu Avignon im Rhonetalenahm, wo er wie ein Gefangener des Königs war. Dann mußte ihmder Papst behilflich sein bei der Vernichtung und Beraubung desTempelordens, dessen Reichtum und Macht des Königs Eifersuchtund Habgier erweckt hatten. Mit teuflischer Hinterlist wurde erstdurch Vorspiegelung eines Kreuzzuges der Großmeister Jakob vonMolay mit allen Würdenträgern des Ordens von Cypern nach Frank-reich gelockt, dann an einem Tage samt allen anwesenden Tempel-herren verhaftet und unter der Anklage auf Ketzerei und schimpflicheVerbrechen dem Jnquisitionsgericht überliefert. Mittelst der Foltererpreßte man den Unglücklichen alle beliebigen Geständnisse; diejenigen,welche nichts gestanden oder die erzwungenen Geständnisse hernachwiderriefen, ließ Philipp lebendig verbrennen, darunter den Groß-meister. Clemens V. aber mußte den Orden für aufgehoben erklärenund sprach der Form nach seine Güter den Johannitern zu; die inFrankreich befindlichen riß Philipp ohne weiteres an sich. So jäh undtief war der Sturz des Papsttums, daß es kaum ein Jahrzehnt nachBonifacius Hinschied als ein willenloses Werkzeug den verruchtestenPlänen seines Feindes dienen mußte.
3. Schlachten bei Crecy (1346) und Poitiers (1356). —Allein es war, als ob an Philipps Werk kein Segen haste. Seine dreiSöhne starben, ohne männliche Erben zu hinterlassen, und nun erhobKönig Eduard III. von England aus dem Hause Plantagenet,dessen Mutter eine Tochter Philipps gewesen war, auf den französischenThron Anspruch. Aber die Franzosen, die keinen fremden Fürstenwollten, behaupteten, es sei schon bei den salischen Franken Gesetz
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