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niedergemetzelt. Umsonst versuchte Etienne Marcel die Wütendenzu mäßigen und zu lenken. Da rasfte sich der Adel auf, besiegte diezuchtlosen Banden, und grauenhafter noch als die Untaten der Bauernwar die Vergeltung, die er an ihnen übte. Nun wandte sich der Adelim Bunde mit der Krone gegen die aufständische Hauptstadt. Bevores aber zum Entscheidungskampfe kam, wurde Marcel in Paris ver-räterisch erschlagen, und mit ihm erstarb die ganze Bewegung.
5. WatTyler (1381). — Nach kurzem Waffenstillstand begannder Krieg von neuem, da die Franzosen den Verlust so vieler schönerProvinzen nicht verschmerzen konnten. Das Glück neigte sich ihnenzu, und auch das englische Volk begann die Lasten des wechselvollenKrieges schwer zu fühlen. Die Lehren des kühnen ReformatorsJohn Wiklif (siehe unten) gaben der allgemeinen Unzufrieden-heit weitere Nahrung, und 1381 brach eine gewaltige Empörungaus. Hunderttausend Bauern zogen unter der Anführung einesDachdeckers WatTyler nach London und belagerten den König imTower, bis er ihnen urkundlich versprach, die Leibeigenschaft aufzu-heben und die Abgaben zu mindern. Aber das war bloße Täuschung;als die Mehrzahl abgezogen war, wurde Wat Tyler bei einer Be-gegnung mit dem König niedergestoßen. Die Freiheitsbriefe wurdenwiderrufen, die zerstreuten und führerlosen Bauern mit Waffen-gewalt niedergeschmettert und alles wieder ins Alte gebracht.
6. Schlacht bei Azincourt (1415). Die Jungfrau vonOrleans (1429—31). — Allmählich erlahmte der englisch-franzö-sische Krieg, bis im Beginn des 15. Jahrhunderts in Frankreichunter dem geisteskranken König Karl VI. innere Wirren ausbrachen,die Heinrich V., dem König von England, den Mut gaben, den Kampfvon neuem aufzunehmen. Im Jahre 1415 brachten die englischenBogenschützen wieder Tod und Verderben über ein dreimal so zahl-reiches französisches Ritterheer bei Azincourt unweit Crecy; 8000Edelleute sollen dabei geblieben sein. Jetzt ging der mächtigste Vasalldes Königs von Frankreich, Herzog Philipp von Burgund, zu demenglischen Herrscher über, der blödsinnige Karl VI. anerkannte diesenselber als seinen Nachfolger und beraubte damit den eigenen Sohnder Krone. Heinrich V. hielt mit den beiden einen prächtigen Einzug