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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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nahmsweise aus Steuern, die dann jedesmal von den Reichsständenbewilligt werden mußten. Mit diesem Rechte, die Steuern zubewilligen oder zu verweigern, hatten die Vertreter des Volkes einMittel in der Hand, um den König zu zwingen, den Willen der Nationzu achten, und weil das englische Parlament auf dies Recht eifer-süchtig wachte, wurde es zuletzt mächtiger als die Könige. In Frank-reich aber gestanden 1439 die Ltats Oeneraax Karl VII. die Be-fugnis zu, regelmäßige Steuern einzuziehen, ohne sie fürderhin zubefragen, und gaben damit alle Macht aus den Händen. Jene Steuerndienten dem Könige dazu, fortwährend ein Söldnerheer auf demKriegsfuße zu unterhalten, die erste stehende Armee der Neuzeit.Dadurch war allerdings der Staat besser geschützt gegen außen, aberebensosehr die Freiheit im Innern aller Willkür des Herrschers preisgegeben. — Von dem Volke hatten die französischen Könige fortankeine Einschränkung ihrer Macht mehr zu besorgen; aber noch waltetenihre großen Vasallen, die Herzoge und Grafen, in manchen Land-schaften nicht viel weniger selbstherrlich als die Fürsten in Deutsch-land. Der Sohn und Nachfolger Karls VII., Ludwig XI. (1461—83),ein ebenso gescheiter als grausamer und verschlagener Despot, unter-nahm es, den Trotz seiner Großen zu brechen, und gelangte, da er vorkeinem Mittel zurück)cheute, wirklich aus Ziel. Nur einer war ihm zumächtig, sein Vetter Karl der Kühne, Herzog von Burgund*),der Sohn des Verräters Philipp. Die Herzoge von Burgund warenein jüngerer Zweig des Hauses Valois, der im Laufe der Zeit zu seinenBesitzungen in Frankreich noch wichtige Grenzprovinzen des deutschenReiches erworben hatte, die Freigrasschaft und die mit den blühend-sten Städten gesegneten Niederlande. Der Form nach ein Vasalldes Königs von Frankreich und des Kaisers, war Herzog Karl derKühne in Wirklichkeit mächtiger als beide. Aus seinen fruchtbaren,dicht bevölkerten Landschaften zog er Steuern nach Belieben undunterhielt damit ein prächtiges stehendes Heer, mit welchem er zugleichseine Untertanen in Furcht erhielt und der Schrecken seiner Nach-

*) Ihren Titel führten die Herzöge nicht von dem alten KönigreichBurgund, sondern von der französische» Provinz Bourgogne mit der Haupt-stadt Dijon.