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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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Medici machten sich eine Ehre daraus, ihre Vaterstadt zum Sammel-platz der Gelehrten und Künstler zu machen, und nicht umsonst wirdihr Zeitalter gelegentlich auch das mediceische genannt. Dasgeistige Leben erlitt durch den Humanismus einen mächtigen Um-schwung. Das heidnische Altertum erschien wie eine vergangene gol-dene Zeit, und wie man es in Wort und Schrift nachzuahmen suchte,so auch im Leben, in Sitten und Gebräuchen. Wer aber in den Heldender Griechen und Römer seine Vorbilder erblickte, konnte unmöglichbei dem kirchlichen Fanatismus des Mittelalters stehe» bleiben. FreiereAnsichten über Religion brachen sich Bahn, und die Macht der Kircheüber die Gemüter wurde stark erschüttert. Bisher hatte die kirchlicheWissenschaft, die Scholastik, alle andern zurückgedrängt, und die Haupt-beschäftigung an den Hochschulen hatte darin bestanden, daß Pro-fessoren und Schüler miteinander über spitzfindige Fragen der Kirchen-lehre disputierten. Jetzt tauchte mit einem Male der reiche Kranz vonWissenschaften wieder empor, den die Alten gepflegt hatten: Ge-schichte, Geographie, Mathematik und Naturwissenschaftenwurden gleichsam neu geboren. Auch die Kunst erlitt eine völligeUmwälzung. Das Studium der altrömischen Bauwerke mit ihrenSäulen, Bogen und gewaltigen Kuppeln bewirkte, daß die bisher all-gemein übliche gotische Baukunst verlassen wurde, daß sich nach denResten des Altertums eine neue ausbildete, der sogenannte Re-naissancestil, der von Florenz, seiner Geburtsstätte, aus sich überall-hin verbreitete und zuletzt die Gotik gänzlich verdrängte. Nach denantiken Marmor- und Erzstatuen, die von eifrigen Sammlern ausden Schutthaufen Roms und anderer Lrte ausgegraben wurden,erneuerte sich dieBil.dhauerkunst, und auch dieMalerei verdankteihr herrliches Aufblühen in der Folgezeit nicht zum geringsten Teileder Bekanntschaft mit den wunderbaren Bildwerken der Griechenund Römer.

4. ErfindungderBuchdruckerkunst (um 1440).VonItalien aus eroberte die Kunst und Bildung der Renaissance allmählichdas ganze Abendland. Dazu halfen namentlich auch eine AnzahlErfindungen aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die ge-statteten, Kunstwerke und Bücher ins Unendliche zu vervielfältigen.