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nicht mehr an Vorräten fehlen. Endlich erschien das ersehnte Fahr-zeug, das ihn nach Hispaniola zurückführte, von wo er sich alsbaldnach Spanien einschiffte. Kaum war er angekommen, so starb seineBeschützerin Jsabella, und Ferdinand hatte für die Bitten des krankenMannes, ihn wieder in seine Rechte einzusetzen, nur kalte Höflich-keit und ausweichende Antworten. Dagegen ließ er ihm nach seinem1506 zu Valladolid erfolgten Tode ein Denkmal setzen mit derAufschrift:
„Neue Welten fand Colon,
Für Castilien und Leon."
9. Der Name Amerika. — Columbus war ohne eine Ahnungdavon gestorben, daß er einen neuen Weltteil entdeckt hatte. In derUeberzeugung, nach Asien gekommen zu sein, hatte er die neuen Inselnund Küsten ohne weiteres zu Indien gerechnet und ihre BewohnerIndianer genannt.*) Schon vor seinem Tode hatte indes die Er-kenntnis aufzudämmern begonnen, daß man es hier mit einer bisherganz unbekannten Ländermasse zu tun habe. Die Ehre, ihr den Namengegeben zu haben, ist leider nicht dem glorreichen Entdecker zu teilgeworden, sondern einem anderen Manne, der dadurch zu einer kaumverdienten Verewigung gelangt ist, dem Florentiner GeographenAmerigo Vespucci. Dieser hatte nach der dritten Fahrt des Co-lumbus einige Fahrten nach den Küsten Venezuelas und Brasiliensin spanischen und portugiesischen Diensten mitgemacht und veröffent-lichte seine Reiseberichte im Druck. Da diese die ersten ausführlichenSchilderungen der „Neuen Welt" enthielten, wurden sie begierig ge-lesen und machten seinen Namen bekannter als den des Columbus.Deshalb gerieten einige deutsche Gelehrte auf den Einfall, den vonAmerigo Vespucci geschilderten Erdteil Amerika zu nennen, welcherName wohl seines Wohllautes halber sich allmählich allgemein ein-bürgerte.
*1 Als man endlich das wirkliche Indien von dem. vermeintlichenunterscheioen lernte, war der Name schon so eingebürgert, daß man jenesOst- und dieses Westindien nannte, welche Bezeichnung dem von Colum-bus entdeckten Archipel blieb.
Oe chsli, Bilder II und III. 1.
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