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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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angehende durch seine Erfindungen und Entdeckungen gesäet, gediehjetzt zur schönsten Reife. Dabei stand Ital ien noch immer obenan.Hier erlebte die Kunst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eineBlüte, wie sie die Welt seit dem Zeitalter des Perikles nicht mehr ge-sehen. Eine Menge Architekten, Bildhauer und Maler wetteiferten,um jenen unerschöpflichen Schatz von Meisterwerken hervorzubringen,durch den Italien das gelobte Land der Kunst geworden ist. SeineStädte erfüllten sich mit den herrlichsten Bauten des Renaissancestils;die berühmteste ist die Peterskirche in Rom mit ihrer Riesenkuppel, einfreilich durch spätere Zutaten entstelltes Werk des großen FlorentinersMichelangelo Buonarotti (14751564), der in der Architektur,Bildhauerei und Malerei gleich Gewaltiges geleistet hat. Mit ihmwetteiferte an wunderbarer Vielseitigkeit sein Landsmann Leonardoda Vinci (14521519), der zugleich ein genialer Maler, Bildner,Musiker, Mechaniker und Ingenieur war. In Rom wirkte der MalerRaffael Santi von Urbino (14831520), genannt der Göttliche,weil seine Bilder den Stempel der vollendetsten Schönheit tragen.Gleichzeitig mit diesen malten in Parma Corregio (14941534),dessen Werke den höchsten Liebreiz atmen, und in Venedig Tizian(14771576), der seinem Pinsel die tiefste Farbenglut zu entlockenwußte. In diesen fünf Meistern, von denen jeder in seiner Art dergrößte war, erreichte die Malerei eine Höhe, wie nie vor- und nachher.Von den übrigen Ländern hatte nur Deutschland ebenbürtige Künst-ler auszuweisen, Albrecht Dürer von Nürnberg (14711528) undHans Holbein von Augsburg (14971543), der jung nach Baselkam und hier wirkte, bis er als Hofmaler Heinrichs VIII. nach Englandging. Der Sinn für das Schöne beseelte zu dieser Zeit selbst die ein-fachen Handwerker. Schon die Hausgeräte eines wohlhabendenStädters, seine Tische, Stühle, Betten, Schränke, Truhen, das Wand-getäfel, alles zierlich in Holz geschnitzt, die farbenprächtigen Glas-scheiben, die bunt bemalten Öfen verrieten eine kunstgeübte Hand.Auch das Reich der Töne fand im 16. Jahrhundert seinen ersten un-sterblichen Meister in dem Italiener Palestrina (15141594), derfür den Gottesdienst der päpstlichen Kapelle herrliche Tonwerke schuf unddamit zum Ruhm der katholischen Kirche mehr beitrug als mancher Papst.