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solch trüben Aussichten verschied' Luth echsil546) auf einer Reise inEisleben, seinem Geburtsorte. Seine Leiche wurde unter allge-meiner Trauer nach Wittenberg geführt und dort mit fürstlichen Ehrenbeigesetzt. — Einige Monate später eröffnete der Kaiser den Kampf,indem er die beiden Häupter des Schmalkaldenerbundes, den KurfürstenJohann Friedrich von Sachsen und den Landgrafen Philipp vonHessen, als Pflicht- und eidbrüchige Rebellen ächtete. Die Schmal-kaldener waren indes rascher schlagfertig als Karl, der seine Truppenzum Teil erst aus Italien und den Niederlanden heranziehen mußte.Sie rückten gen Regensburg, wo er sich gerade aufhielt, und hättenihn in große Not bringen können, wenn unter ihnen Einigkeit geherrschthätte. Aber der eine wollte dies, der andere das, und darüber gingder günstige Augenblick vorbei. Da erscholl diesKündä! der jungeHerzog Moritz von S achsen*) sei in seines VetteVchdeK Kurfürsten,Lande gefallen. Moritz, obwohl ein Protestant, hatte sich nämlichheimlich mit dem Kaiser verbündet, um auf Kosten Johann Friedrichsseinen Besitz zu vergrößern. Jetzt löste sich das Bundesheer auf, einjeder eilte nach Hause, um sein eigenes Heim zu schützen, und mit denalso Geteilten hatte der Kaiser ein leichtes Spiel. Zuerst wandte ersich gegen die süddeutschen Reichsstädte, die ohne Schwertstreichfeige die Waffen streckten. Dann rückte er gegen Sachsen, zersprengtebei Mühlberg an der Elbe das Heer des Kurfürsten Johann Frie- 'drich, der selbst gefangen wurde, und zog als Sieger in Wittenberg,der Hauptstadt des Protestantismus, ein. Dort ließ er sich das GrabLuthers zeigen und sprach, als der finstere Spanier Alba, sein Ober-feldherr, ihm riet, die Gebeine dieses Erzketzers verbrennen zu lassen,das schöne Wort: „Ich führe Krieg mit den Lebenden, nicht mitden Toten." Dafür verfuhr er mit dem gefangenen Kurfürsten sehrhart. Nachdem er ihm eine Zeitlang mit Hinrichtung gedroht, ver-urteilte er ihn zu ewiger Haft und gab den größten Teil seines Fürsten-tums samt der Kurwürde dem Verräter Moritz. Landgraf Philippwußte nichts besseres zu tun, als sich nach dem Rate Moritzens, der
*) Das sächsische Fürstenhaus hatte sich in zwei Linien gespalten, dieältere kurfürstliche oder ernestinische, die zu Wittenberg, und die jüngereherzogliche oder a l b e r t i n i s ch e, die zu Leipzig saß.