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4. Friede von Crespy (1544). Luthers Tod und Schmal-kaldeneckrieg (1546—47). — Bald darauf fuhr Karl mit einergewaltigen Flotte nach Nordafrika, um die dort entstandenen moham-medanischen Seeräuberstaaten zu züchtigen, und eroberte Tunis, woer 20,000 Christensklaven die Freiheit brachte. Kaum war er vondiesem ruhmreichen Zuge zurückgekehrt, so brach der Krieg mit Fr a n k-reich und den Türken wieder los und hielt ihn fast ein Jahrzehnthindurch in Atem. Während dieser ganzen Zeit übte der Kaiser gegendie protestantischen Reichsglieder die äußerste Schonung, um sie nichtdem Feinde in die Arme zu treiben. Die Reformation machte daherreißende Fortschritte. Zuletzt hielten von den größeren weltlichenFürsten außer Ferdinand, des Kaisers Bruder, nur noch die Herzogevon Bayern am Katholizismus fest, und selbst von den geistlichen Herrentraten manche zum neuen Glauben über. 1544 sah sich aber Franz I.von Frankreich vom Kaiser so sehr in die Enge getrieben, daß er frohwar, mit diesem zuCresPy (n.-ö. von Paris) auf die früheren Be-dingungen hin Frieden schließen zu können. Gleichzeitig erkaufte sichKarl Ruhe vor den Türken, indem er ihnen Ungarn preisgab, vonwelchem den Habsburgern anderthalb Jahrhunderte lang wenig mehrals der Königstitel blieb. So hatte der Kaiser endlich Muße, an dieBeilegung des Religionsstreites zu denken. Auch er war der Ansicht,die Kirche sei einer Reform bedürftig; aber ein Konzil sollte diesevornehmen, das er im Bunde mit dem Papste nach seinem Willen zulenken gedachte. Auf sein Drängen hin berief der Papst eine solcheKirchenversammlung nach Trient im Welschtirol, und der Kaiser ver-langte nun von den Protestanten, daß sie daran teilnehmen und dieEntscheidungen des Konzils anerkennen sollten. Dazu war es aberjetzt zu spät; die Reformation hatte sich schon zu sehr in den Herzeneingebürgert, als daß ihre Anhänger sich einer Versammlung hättenunterwerfen können, die voraussichtlich ganz unter dem Einflüsse desPapstes und des Kaisers stand, der ihren Glauben in seinen Erblandenmit erbarmungsloser Härte verfolgte. Die Protestanten verlangtendaher von Karl, daß er ihnen Frieden und Recht versichere, möchten dieBeschlüsse zu Trient ausfallen, wie sie wollten. Da kein Teil demanderen nachgeben wollte, rüstete man gegenseitig zum Krieg. Unter