183 —
bekenntnis durch ein anderes zu ersetzen, sondern in dem Geist der freien,nach Wahrheit suchenden Forschung.
5. Reform in Skandinavien. Stockholmer Blutbad(1520); Gustav Wasa. — Während der Calvinismus den NordwestenEuropas dem Papsttum streitig machte, eroberte das Luthertum denNordosten, Dänemark und Skandinavien. Die Einführung derReformation knüpfte sich hier an große staatliche Umwälzungen. Einstwar durch eine Reihe glücklicher Umstände die kluge, kräftige KöniginMargaretha von Dänemark auch von Norwegen und Schwedenals Herrscherin anerkannt worden; 1397 hatte sie zu Kalmar inSchweden im Verein mit den Großen festgesetzt, daß fortan die dreinordischen Reiche nur einen König haben sollten. Bald warenjedoch die Schweden der „Kalmarer Union", die sie zu einem An-hängsel Dänemarks machte, überdrüssig geworden und hatten sichunter einheimischen „Reichsverwesern" davon so gut wie getrennt.Im Jahre 1520 erzwäng sich der Dänenkönig Christian II. noch ein-mal mit Waffengewalt den Weg nach Stockholm, wo er sich die Kroneaussetzte. Kaum war dies geschehen, so ließ er plötzlich die Häupterdes schwedischen Reichsrates, Bischöfe, Adlige und Bürger gefangennehmen, 94 auf offenem Marktplatze an einem Tage enthauptenund auch im übrigen Lande zahlreiche Hinrichtungen vomehmen,um den sreiheitsstolzen Sinn des Volkes zu brechen. Aber diese blu-tigen Greuel verfehlten ihren Zweck. Gustav Wasa, der Sohneines der im Stockholmer Blutbad getöteten Adligen, entfloh zu dentapferen Gebirgsbauern in Dalekarlien und entflammte sie zumAusstand. Seine Macht wuchs; nach zwei Jahren gewann er dieHauptstadt und wurde von den Schweden zu ihrem König gewählt.Da der katholische Klerus größtenteils zu den Dänen gehalten hatte,ließ er durch einen Reichstag die Kirchengüter als Krongut einziehen,erklärte sich zuerst versteckt und zögernd, dann immer offener fürdie Reformation Luthers und machte sein Volk allmählich mit ihrvertraut. Dänemark und Norwegen blieben der KalmarerUnion treu, doch schüttelten auch sie das Joch des blutbeflecktenChristian II. ab und entsetzten ihn. Die auf Christian folgendenKönige Friedrich I .und Christian III., welch letzterer mit Luther