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3. Verfassung und Wirksamkeit des Jesuitenordens. —Bald wurde der römische Stuhl inne, welch kostbares Werkzeug eran Loyolas Stiftung besaß, dank den Einrichtungen, welche dieser undseine nächsten Nachfolger dem neuen Orden gaben. Die Verfassungdesselben glich ganz derjenigen eines Heeres. Durch eine Reihe vonniedrigen Graden stieg man erst zum eigentlichen Jesuiten empor; ausdiesen wurden die Obern genommen, jeder wieder einem nächst HohemUntertan bis hinauf zum General, der seinen Sitz in Rom hatte,um vom Papste Befehle entgegenzunehmen oder, wie es später oft derFall war, ihm solche zu geben. Das Ganze wurde durch die strengsteUnterordnung zusammengehalten. Blinder Gehorsam war des Jesu-iten erste Pflicht; nach Loyolas Worten mußte er sich gegenüber seinemVorgesetzten verhalten wie ein „Leichnam ohne Gefühl und Willen,wie ein Stock in der Hand eines Greises". Keiner wurde aufgenommen,bevor er durch die schwersten „geistlichen Übungen" seinen Eigenwillenertötet hatte. Dagegen waren die Jesuiren von allen mönchischenÄußerlichkeiten befreit. Denn nicht um ein beschauliches Leben hinterKlostermauern zu führen, nicht um der Welt zu entfliehen, sondernum auf sie zu wirken, aus allen Punkten und mit allen Mitteln Un-glauben und Irrglauben zu bekämpfen, hatte Loyola Jünger gesam-melt. Vor allem galt es, die wankenden Völker der römischen Kirchezu erhalten und den Protestantismus unter denjenigen, die noch vor-herrschend katholisch oder doch unter katholischen Regierungen waren,auszurotten. Zu diesem Behufe entwickelte der Orden eine erstaun-liche Tätigkeit. Die schlauesten und weltgewandtesten unter seinenMitgliedern schickte er als Beichtväter und Prinzenerzieher an die H ö f eund gewann dadurch bald unermeßlichen Einfluß auf die Regierungen.Beim Volke machte er sich beliebt, indem er es mit trefflichen Pre-digern versah, die alle geistlichen Verrichtungen unentgeltlich besorgten.Um dem Protestantismus eine seiner mächtigsten Waffen, das Vor-recht der Bildung, zu entreißen, stattete er seine Angehörigen mitallem kirchlichen und weltlichen Wissen aus und ließ den TalentvollstenMuße, durch gelehrte Werke und schriftstellerische Erzeugnisse jederArt die gemeinsame Sache zu fördern. Zugleich sah er sich dadurchin stand gesetzt, dieIugendbildung an sich zu bringen, deren Wich-