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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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tigkeit er wohl kannte. Überall gründete er Lehranstalten, in welchender Unterricht von den niedersten bis zu den höchsten Stufen erteiltwurde, und da seine Lehrer unablässig darauf bedacht waren, dieUnterrichtsweisen zu vervollkommnen, so waren die Jesuitenschulenjahrhundertelang die berühmtesten und besuchtesten. Gleichzeitigtrachtete der Orden, das Gebiet des Katholizismus durch die Be-kehrung der Heiden zu mehren. Laver, einer der ersten GenossenLoholas, ging selber nach Indien und Japan und starb auf dem Wegenach China, überall zahlreiche Christengemeinden als Spuren seinesWirkens hinterlassend. Weder die Wüsten der Mongolei noch dieGrausamkeit der Neger Jnnerasrikas oder der Wilden der neuen Welthemmten die kühnen, unermüdlichen Sendlinge der Jesuiten. Ja,es gelang ihnen, mitten in den Urwäldern Südamerikas einen Jn-dianerstaat zu gründen, Paraguay, in dem sie die Eingeborenennicht nur zu Christen, sondern auch zu fleißigen Ackerbauern, Hand-werkern und anhänglichen Untertanen umzubilden verstanden. Mitdiesen Missionen verband die Gesellschaft einen gewinnbringendenHandel, der im Verein mit zahllosen Schenkungen und Vermächt-nissen ihr unermeßliche Reichtümer zur Verfügung stellte.

4. Die jesuitische Sittenlehre. Wenn man dieser groß-artigen, planvollen Wirksamkeit der Jesuiten seine Bewunderungnicht versagen kann, so hat andererseits die vollendete Gewissenlosig-keit, mit der sie ihr vornehmstes Ziel, den Kampf gegen den Pro-testantismus, gegen Duldsamkeit und Geistesfreiheit verfolgten, ihnenberechtigten Haß zugezogen. Wenn das berüchtigte Wort:DerZweck heiligt die Mittel" sich in ihren Schriften nicht förmlich aus-gesprochen findet, so war es jedenfalls der Grundsatz, nach dem sieschrieben und handelten. Vor nichts scheuten sie zurück, wenn es denVorteil der römischen Priesterherrschaft oder denjenigen ihres Ordensgalt. Hosintriguen, Ränke und Listen allerart waren ihre gewöhn-lichen Wege. Wie sie der Ausrottung der Ketzer mit Feuer und Schwertbei jeder Gelegenheit das Wort redeten, so verteidigten sie auch inWort und Schrift die Rechtmäßigkeit des Königsmordes, wofern derKönig ein Ketzer sei. Um ihr eigenes Gewissen und das ihrer Beicht-kinder beruhigen zu können, sprangen sie überhaupt mit der Sitten-