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notten sich nicht ohne Widerstand abschlachten ließen, einen Bürger-krieg, der 36 Jahre hindurch Frankreich zerfleischte und von beidenSeiten rnit furchtbarer Grausamkeit geführt wurde. FranzGuise wurde im Beginn von einem Hugenotten meuchlerisch er-schossen. An dem trefflichen Coligny fanden die Reformierteneinen Führer, der sich durch kein Unglück niederbeugen ließ. Wennsie auch mehrmals der Tapferkeit der Schweizersöldner, die im könig-lichen Heere dienten, in der Feldschlacht erlagen, so widerstandendafür ihre Städte mit Heldenmut. Nachdem der Kampf mit Unter-brechungen acht Jahre gedauert hatte, sah sich Katharina genötigt,mit den Hugenotten Frieden zu schließen, ihnen Glaubensfreiheitzuzugestehen und, da sie ihr Wort mehrmals schmählich gebrochenhatte, zu erlauben, daß sie vier feste Plätze, darunter die wichtige See-festung La Rochelle, zu ihrer Sicherheit mitten im Frieden durchBewaffnete besetzt halten dürften.
2. Die Pariser Bluthochzeit (23.-24. Aug. 1572). — Zurvollständigen Aussöhnung der Glaubensparteien wurde der jungeHeinrich von Bourbon, der reformierte König von Navarra, mitMargaretha, der Schwester Karls IX., verlobt. Zur Hochzeitsfeierfanden sich zahlreiche protestantische Edelleute im Gefolge der Bour-bonen in Paris ein. Schon vorher war Coligny an den Hof berufenworden, wo man ihn mit Auszeichnung empfing. Oft saß Karl IX.bis spät in die Nacht mit dem greisen Kriegshelden zusammen; diesersuchte den König zur Unterstützung der Niederlande gegen Alba unddamit zum Kriege gegen Spanien zu bestimmen, und es schien, als obColignys Einfluß den aller andern Ratgeber, sogar den der Königin-Mutter verdrängen werde. Aber Katharina war nicht umsonst dieTochter eines italienischen Tyrannengeschlechts; wenn es ihre Machtzu behaupten galt, fcheute sie vor keinem Berbrechen zurück. Sie undihr dritter Sohn, der nachmalige Heinrich III., verbanden sich einigeTage nach der Hochzeit mit Heinrich von Guise, dem Sohne des er-mordeten Franz, um Coligny aus dem Wege zu räumen. Als der Schußeines von ihnen gedungenen Mörders fehlging, schmiedeten die dreiden teuflischen Plan, den Admiral samt allen Hugenotten durch einenMassenmord dem Verderben zu weihen. Sie bauten dabei auf die
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