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hatten sie ihr Möglichstes getan, sie im eigenen Lande zu ersticken.Dennoch gab es, als Heinrich II. 1559 in einem Turnier umkam, schoneine Menge calvinischer Gemeinden namentlich in Südfrankreich, deralten Ketzerheimat. Zahlreiche Edelleute, Männer von höchstemRang, wie der Admiral Coligny, ja ein Zweig des königlichen Hausesselber, die Bourbonen, die in den Pyrenäen ein eigenes kleines König-reich, Navarra, besaßen, hatten sich der neuen Lehre zugewandt. DerTod Heinrichs II. brachte den Hugenotten zunächst kein milderesLos. Seine aus dem Hause Medici stammende Gemahlin Katha-rt na hatte ihm vier Söhne geboren, von denen der älteste, Franz II.,den Thron bestieg. Dieser an Körper und Geist schwache Jünglingließ sich gänzlich von seiner schönen Gemahlin MariaStuart be-herrschen, die wieder unter dem Einflüsse ihrer Oheime, Franz undKarl von Guise, stand. Es waren dies Prinzen aus einer jüngerenLinie des Hauses Lothringen, die sich in Frankreich hohes Ansehenerworben hatten. Herzog Franz von Guise, der Karl V. Metz undMaria der Blutigen Calais entrissen hatte, war der gefeiertste Kriegs-held des Reiches, sein Bruder Karl als Erzbischof von Reims undKardinal das Haupt des französischen Klerus; beide aber beseeltegrimmiger Haß gegen die Ketzer. Schon dachten sie, ihre Macht zuderen gänzlicher Ausrottung zu benutzen, als Franz II. nach bloß ein-jähriger Regierung starb und sein elfjähriger Bruder KarlIX. an seineStelle trat. Katharina von Medici, die für ihren minderjährigenSohn die Vormundschaft führte, stützte sich zunächst aus Eifersuchtgegen die Guisen auf die bourbonischen Prinzen, die Führer derHugenotten. Jetzt wagten diese, ihr Haupt freier zu erheben, dieVerfolgungen wurden eingestellt, und ein königliches Ediktgewährte ihnen freie Übung ihres Glaubens. Aber die noch immermächtigen Guisen hielten den Ketzern gegenüber alles für erlaubt.Ws Herzog Franz von Guise 1562 auf einer Reise zu Vass y in derChampagne auf eine friedliche Versammlung von Hugenotten traf,die in einer Scheune ihren Gottesdienst feierten, überfiel er sie mitseinem bewaffneten Gefolge und richtete ein gräßliches Blutbad unterihnen an. Dann bemächtigte er sich des jungen Königs, nötigte dieKönigin-Mutter, auf seine Seite zu treten, und eröffnete, da die Huge-