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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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zwischen hatten sich Ferdinand und Max in der höchsten Not an denEinzigen, der sie noch retten konnte, gewandt, an Waldstein, der sichnach seinem Sturze ruhig auf seine Güter in Böhmen zurückgezogenhatte. Er ließ sich lange bitten, bis er wieder ein Heer warb, und erstnachdem man ihm den unumschränktesten Oberbefehl zugesicherthatte, entschloß er sich, zu Felde zu ziehen. Der Kaiser sollte gar nichts indie Kriegsführung dreinreden dürfen und Waldstein im Falle des Ver-lustes von Mecklenburg durch ein anderes Reichsfürstentum entschädigtwerden. Gustav Adolf erwartete den neuen Gegner beiNürnberg.Wochenlang lagen die beiden sich dort in verschanzten Lagern gegen-über; endlich entschloß sich der König, da weit und breit keine Lebens-mittel mehr aufzutreiben waren, zu einem Sturme auf die feindlichenSchanzen, der jedoch blutig zurückgewiesen wurde. Da brach er aufgegen Bayern. Statt ihm zu folgen, richtete Waldstein seinen Angriffgegen Sachsen, und zum zweiten Male mußte Gustav Adolf herbei-eilen um seinen unzuverlässigen Bundesgenossen zu retten. BeiLütz en (südwestlich von Leipzig) erreichte er den Feind und zwang ihnan einem nebligen Novembermorgen zum Schlagen. Schon begannendie Kaiserlichen zu weichen, als ihr kühner Reitergeneral Pappen-heim mit frischen Regimentern heranbrauste und mit Aufopferungseines Lebens die Schlacht zum Stehen brachte. Da stürzte sich GustavAdolf selbst in das dichteste Getümmel und fiel, von mehreren Schüssendurchbohrt; an seiner Stelle übernahm Herzog Bernhard vonWai-mar den Oberbefehl. Zur höchsten Wut entflammt, warfen sich dieSchweden von neuem auf den Feind, bis dieser am Abend, vom Kampfermattet, den Rückzug antrat (1632).

7. Waldsteins Ende (1634), Präger Friede (1635). DieEhre des Sieges blieb den Schweden, aber der Tod ihres großen Königswar ein unersetzlicher Verlust für die protestantische Sache. Für seinesechsjährige Tochter Christine übernahm der Kanzler Oxenstjernedie Leitung der deutschen Angelegenheiten. Es war dies ein ausge-zeichneter Staatsmann; allein er fand wenig Gehorsam bei den schwe-dischen Generalen und noch weniger bei den deutschen Fürsten, wes-halb die bisherige Kraft und Einheit in der Kriegsführung der Pro-testanten aufhörte. Zu ihrem Glücke blieb Waldstein untätig in