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Küste. Gustav Adolf war kein gemeiner Eroberer; mit seiner Tapfer-keit paarte sich ein edles, menschliches Gemüt. Durch sein Vorbildnicht minder, wie durch seine Strenge gelang es ihm, die rohe Kraftseiner Krieger zu bändigen und eine bewunderungswürdige Manns-zucht unter ihnen herzustellen. Einem solchen Heere widerstandendie ihres Feldherrn beraubten kaiserlichen Banden in Mecklenburgund Pommern nicht lange. Als er aber weiter vordringen wollte,um das von Tilly hart bedrängte Magdeburg zu retten, wolltenihm die Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen, die aus Furchtvor dem Kaiser ihre Glaubensgenossen schmählich im Stich gelassenhatten, nicht einmal den Durchzug gestatten. Dies brachte Magdeburgden Untergang. Tilly erstürmte es nach heldenmütigem Widerstand;in fürchterlichem Blutbade wurde fast die ganze Bevölkerung hinge-schlachtet und die stolze Stadt bis auf den Tom ein Raub der Flammen.Seit Trojas und Jerusalems Zerstörung, berichtete der Sieger nachWien, sei eine solche Viktoria nicht gesehen worden (1630). Erbittertüber das schreckliche Geschick Magdeburgs, nötigte Gustav Adolf jetzt denKurfürsten von Brandenburg durch Drohungen, sich mir ihm zu ver-bünden. Als Tilly in ähnlicher Weise mit dem Kurfürsten von Sachsenverfuhr und in dessen Land einbrach, da warf sich dieser ebenfalls demSchwedenkönig in die Arme und rief ihn zu Hilfe. Bei Breiten-feld in der Nähe von Leipzig stießen die beiden Heere aufeinander,und Tilly, der in 36 Schlachten unbesiegt geblieben war, erlitt durchdie überlegene Kriegskunst Gustav Adolfs eine vernichtende Nieder-lage. Das änderte die Lage der Dinge mit einem Male. In ununter-brochenem Siegeszug eilte jetzt Gustav Adolf westwärts an den Rhein,um die Millionen Protestanten in den Rhein- und Maingegendenzu befreien. Dann suchte er den Herrn Tillys, den Kurfürsten vonBayern, im eigenen Lande heim. Umsonst stellte sich ihm Tilly amLech unweit dessen Mündung in die Donau noch einmal entgegen;er wurde wieder geschlagen und selber auf den Tod verwundet. Ohneseinen Sieg durch irgend welche Grausamkeiten zu beflecken, zogGustav Adolf in München ein. Schon dachte er daran, das evange-lische Deutschland zu einem dauernden Bunde unter seiner Führungzu vereinen, vielleicht selbst sich zum Kaiser wählen zu lassen. — In-