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9. Folgen. — Trotz des endlichen Sieges der Protestanten undihrer Verbündeten waren doch die Absichten Ferdinands II. zum gutenTeil erreicht. Deutschland, das zu neun Zehnteilen protestantischgewesen, war jetzt wieder mehr als zur Hälfte katholisch. Dafür waraber seine Kultur auf Menschenalter hinaus so gut wie vernichtet. Esglich besonders im Süden und Westen nur noch einer ungeheurenBrandstätte; in Hessen allein waren 17 Städte und 400 Dörfer vonder Erde verschwunden. Millionen von Menschen waren hingemordetworden oder dem Hungertode erlegen; Böhmen zählte noch den dritten,Württemberg den zehnten und die Pfalz gar nur den fünfzigsten Teilder früheren Bewohner. Handel und Kunstfleiß, worin die deutschenStädte ihresgleichen gesucht hatten, waren vernichtet, und kein Hein-rich IV., kein Sully erstand dem deutschen Volke. Statt dessen wurdees von einer Unzahl kleiner Despoten ausgesogen, die ihre Ehre darinsuchten, es in ihrem Hofhält an Verschwendung und Pracht den erstenMonarchen Europas gleichzutun. Wie an Wohlstand und Macht,so stand Deutschland fortan auch an Bildung weit hinter anderenLändern, namentlich hinter dem mächtig aufstrebenden Frankreichzurück. Plan gestand die geistige Überlegenheit der überrheinischenNachbarn selber ein, indem man anfing, deren Sprache und Sittehöher zu schätzen als die eigene. Französisch wurde jetzt die Spracheder Gebildeten; was von drüben kam, wurde angestaunt und sklavischnachgeahmt. Es dauerte ein volles Jahrhundert, bis das deutscheVolk sich von dieser geistigen Fremdherrschaft befreite und sich wiederals selbständige Nation zu fühlen begann.
0. Glanzzeit des unumschränkten Königtums und Auf-dämmern der Völkerfreiheit.
I. Richelieu und Ludwig XlV.
Martin, Laoisse, s. S. 1. Ranke, s. S. 207. ck'fwenel, Richelieu et la monarchie sb8olue.4 Bde. ttanotsurr, ttistoire cku Lsrckinal cke Richelieu. Ssillsrckin, Rktolre cku röxne ckekouis XIV. 6 Bde. PHUippson, Das Zeitalter Ludwigs XIV. (Ducken). ckSruel, Rwtoire ckekrance penckant la minoritö cke I^ouis XIV» 4 Bde. Derselbe, t^istoire cke Rrance 80 U 8 lemini8töre cke Viararin. 3 Bde. (ISment, Hi8toire cke Lolbert et cke son ackminj8tration, 2 Bde.Roorden, Der spanische Erbfolgekrieg, 3 Bde.
1. Letzte Ltats Oöneraux (1614). — Heinrich IV. hatte einenunmündigen Sohn hinterlassen, Ludwig XIII., für den seine Mutter
Oechsli, Bilder II und III. 1. 15