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verteidigte Staat Europas zu sein. — Gleichzeitig warf das goldeneZeitalter der französischen Literatur, das schon unter Richelieubegonnen, seinen verklärenden Schimmer aus Ludwigs XIV. Regierung.Descartes und Pascal, zwei der größten Denker und Gelehrtender Neuzeit, die Bischöfe Bossuet und Fenelon, jener ein viel bewun-derter Kanzelredner und Geschichtsschreiber, dieser ein liebenswürdigerLehrer und Erzähler, nebst zahlreichen andern bedeutenden Schrift-stellern verliehen der französischen Prosa die unvergleichliche Klarheitund Gewandtheit, die sie noch heute auszeichnen. Ein stolzes Drei-gestirn von Dichtern erhob das französische Theater zum glänzendstenEuropas, Corneille, Racine und Moliere,diebeidenerstendurchihreTragödien, der letztere durch seine trefflichen Lustspiele. Ihnen geselltensich der geistreiche Fabeldichter Lafontaine und andere bei. IndemLudwig diese Schriftsteller und Dichter zum Teil an seinen Hof zogund sie mit Pensionen bedachte, schienen sie nur noch für ihn zu dichtenund zu schreiben. In nicht minderem Grade bediente er sich der K ünst ezu seiner Verherrlichung. Da er das aufrührerische Paris nicht liebte,schuf er sich aus dem Dorfe Versailles eine neue Residenz und erbautesich daselbst einen Palast, zu dessen Verschönerung und Ausschmückungdie bedeutendsten Maler, Bildhauer und Gartenkünstler tätig waren, dermit seinen Terrassen und seinem von großartigen Wasserwerken, Alleenund Marmorhainen erfüllten Waldpark das Vorbild für die Königs-sitze Europas wurde. Man hat berechnet, daß Versailles nebstden übrigen Luxusbauten des Königs eine Milliarde heutigenGeldwertes verschlang. Da führte er denn, umgeben vomhohen Adel, einen Hof, der an Glanz und Pracht, an pomphaftemZeremoniell, aber auch an Geist und feiner Sitte seinesgleichen nichthatte. Mit Staunen und Bewunderung blickte Europa auf Lud-wig XIV.; alle Monarchen eiferten ihm nach, französische Spracheund Literatur, Sitte und Mode verbreiteten sich überallhin. Parisund Versailles wurden die Hauptstädte der Welt.
5. Der belgische (1667—68) und holländische Krieg(1672—78). — Leider genügte Ludwig XIV. dieser friedliche Ruhmnicht; er wollte auch als Eroberer glänzen, wozu ihn die Schwächeder übrigen Staaten des Kontinents, namentlich Spaniens, aller-