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schärfsten Ausdrücken vorgestellt. Selbst der schüchterne Racinehatte gewagt, ihm eine Denkschrift über das allgemeine Elend undüber die Heilmittel dagegen einzureichen, und der greise Vauban,der trotz seiner kriegerischen Tätigkeit, wie Ludwig XIV. sagte, „einNarr aus Liebe zum Volke" war, hatte darüber ein ganzes Buch ge-schrieben. Aber wehe demjenigen, der dem durch Schmeichler ver-wöhnten Herrscher die Wahrheit zu sagen wagte! Fenelon und Racinewurden vorn Hofe Verwiesen. Vauban sah sein Buch zum Schand-psahl verdammt und überlebte den Schimpf nur sechs Wochen. Wares ein Wunder, daß unter dem Manne, der das Edikt von Nantesaufhob, auch Frankreichs geistige Blüte erstarb! Die Freiheit ist dieLebenslust der Literatur, der Kunst und Wissenschaft, und kein Schutz,keine Pensionen können sie ersetzen. Wie die großen Minister undFeldherren, so verschwanden nach und nach die großen Gelehrten,Dichter und Schriftsteller, und keine folgten ihnen nach. So stiegLudwig XIV. ins Grab, der letzte seines Zeitalters, einsam, traurig,verwünscht von seinem Volke, und wenig fehlte, so hatte seine Regierungfür Frankreich dasselbe zu bedeuten, was diejenige Philipps II. fürSpanien.
II. Die Erhebung Oesterreichs, Preußens und Rußlands.
Immich, Geschichte des Europäischen Staatensystems von 1660—1786. erdmannZdoerfel',Deutsche Geschichte vom westfälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Friedrichs desGroßen, 1648—1740 (Oncken). Zwiedineck»5üdenyorst, Deutsche Geschichte im Zeitraume derGründung des preußischen Königtums, 2 Bde. Msilalki, Geschichte des österreichischen Kaiser-staates, 5 Bde. flrnelh» Prinz Eugen von Savoyen, 3 Bde. Zlenrel, Geschichte des preußi-schen Staates, 5 Bde. Ksnke, Zwölf Bücher preußische Geschichte, 5 Bde. Dropsen, Ge-schichte der preußischen Politik, 5 Teile in 14 Bde. Pruh, Preußische Geschichte, 4 Bde.philippfon, Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, 3 Bde. Lrückner,Peter der Große (Oncken). frtjxell, Geschichte Karls XII. Dazu die Laudesgeschichten, S. 1.
1. Oesterreich von der Belagerung von Wien bis zumFrieden von Belgrad (1683—1739). — Daß trotz der Verwilde-rung im Gefolge des dreißigjährigen Krieges die Lebenskraft desdeutschen Volkes nicht gebrochen war, bewiesen einzelne gewaltigeMänner, die ihm in der zweiten Hälfte des 17. und im Anfange des 18.Jahrhunderts zur Ehre gereichten, so der geniale Sachse Leibniz,der mit seinem wunderbaren Geiste alle Wissenschaften umfaßteund befruchtete, die großen Musiker Bach und Händelu. a. Aehnlich