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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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regte sich bei dem rettungslosen Siechtum des deutschen Reichesin einzelnen Bruchstücken desselben ein krästiges Leben, so daß sie zurBildung neuer mächtiger Staaten Anlaß gaben. So erhob sich Oester-reich zu großer Macht, indem es unter der langen RegierungLeopolds I. (16571705) nicht sowohl durch das Verdienst desgeistig unbedeutenden Kaisers als durch das seiner tüchtigen Kriegsführerdie Türken in glorreichen Kämpfen zurückdrängte. Die NachkommenMohammeds und Solimans waren entnervte Weichlinge geworden,welche die Regieruugsgeschäfte gänzlich ihrenGroßwesiren" über-ließen. Aber noch residierte ein türkischer Pascha in Ofen, und imJahre 1683 setzten die Osmanen noch einmal Europa in Schrecken.Bonden Ungarn, derenFreiheitenLeopold unterdrücken wollte, herbei-gerufen, erschien der Großwesir K ara Mustap ha mit 200,000 Mann vorWien, und trotz der tapfersten Verteidigung war die Stadt auf demPunkte zu fallen. Da erhielt der Feldherr des Kaisers, Herzog Karlvon Lothringen, der, von Ludwig XIV. aus seinem Fürstentumvertrieben, in österreichische Dienste getreten war, Hilfe von den Kur-fürsten von Sachsen und Bayern, sowie von dem tapferen Polen-könig Johann Sobiesky, der selbst mit einem Heere herbeieilte.Den vereinten Anstrengungen der Deutschen und Polen erlag dietürkische Uebermacht unter den Mauern von Wien. Das war ein Wende-punkt in den Geschicken des Ostens. Karl von Lothringen erstürmteOfen und schlug die Türken nochmals bei Mohaes. Ein andererFremdling im Dienste Oesterreichs, Prinz Eugen aus einer Neben-linie des Hauses Savoyen, der, in Paris geboren, aber von Ludwig XIV.wegen seines unansehnlichen Aeußern verschmäht, sich ebenfalls nachWien begeben hatte und hier rasch zu den höchsten Würden empor-gestiegen war, vollendete die Niederlage der Türken. 1697 erfocht ereinen Sieg bei Zenta an der Theiß, wobei 30,000 Feinde durch dieWaffen und in den Fluten des Stromes umkamen. Im Friedenvon Karlowitz (1699) erhielt Oesterreich fast ganz Ungarn, Sla-vonien und Siebenbürgen abgetreten. Noch höheren Glanzverschaffte Prinz Eugen, Oesterreichs größter Feldherr und Staats-mann, den Söhnen Leopolds, den Kaisern Joseph I. (170511) undKarl VI. (171140), durch seine Siege im spanischen Erbfolge-