252 —
nach Osten, desto verbreiteter war sie. In Deutschland schmachteteWohl die Halste, in Polen und Rußland die große Masse des Volkesin Unfreiheit. — Besser als der mißachtete Landmann stellte sich derBürger, der Handwerker und Kaufmann in der Stadt. Aber wennes ihm möglich war, zu Wohlstand und Bildung zu gelangen, so be-gegnete ihm der Adel mit hochmütiger Verachtung. In Deutschlandfand man es „disreputierlich", daß ein bürgerliches Kind mit demgleichen Wasser getauft werde wie ein adliges. Zu den hohen Aemternin Staat, Armee und Kirche war dem Nichtadligen mit wenig Aus-nahmen der Weg verschlossen; denn die Fürsten, nachdem sie den Adelunter ihren Willen gebeugt hatten, liebten es, nunmehr auf ihn ihreThrone zu stützen. Vornehme Geburt ebnete den Weg zu allem. InFrankreich wurden Knaben von sieben Jahren zu Obersten ernannt,weil sie den Herzogstitel trugen und Geld besaßen, die Stellen zu kaufen.
3. Fesseln des Ackerbaues, des Handels und Gewerbes.— Daß unter solchen Umständen der Anbau des Landes auf niedrigerStufe stand, läßt sich begreifen. Frankreich zählte 1750 nur den viertenTeil seines Viehstandes von heute, und ein Viertel seines fruchtbarenBodens lag brach. Aber auch Handel und Gewerbe wurden in ihrerEntwicklung gewaltsam gehemmt. Noch immer durfte niemand einGewerbe betreiben, ohne einer der mittelalterlichen Zünfte anzu-gehören. Um Mitglied einer solchen zu werden, mußte man einebestimmte Anzahl von Jahren Lehrling und Gesell gewesen sein, danndas sogen. Meisterstück ablegen und, was einem Armen es fast un-möglich machte, einen Beruf anzufangen, bedeutende Gebühren,zuweilen Tausende von Franken, entrichten. An vielen Ortenwurde nur derjenige in die Zunft aufgenommen, der eine Meisters-witwe oder eine Meisterstochter aus derselben heiratete. So wurde
kulierter Stimme, und wenn sie sich erheben, zeigen sie ein menschliches Ant-litz, , und in der Tat, es sind Menschen. Des Nachts ziehen sie sich in ihreHöhlen zurück, wo sie von schwarzem Brot, von Wasser und Wurzelnleben. Sie ersparen den anderen Menschen die Muhe, zu säen, zu pflügenund einzusammeln, und verdienten so, an dem Brot, das sie gesäet, keinenMangel zu leiden". Ein halbes Jahrhundert später (1739) schrieb ein fran-zösischer Minister: „Im Augenblick, wo ich eben schreibe, mitten im Frieden,