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Monarchen kein großer Unterschied mehr, und wenn einzelne trefflicheFürsten ihre Macht zum Nutz und Frommen ihres Volkes verwandten,wer bürgte dafür, daß ihre Nachfolger nicht andern Sinnes waren?Und selbst die Bessern opferten ohne Bedenken den Wohlstand unddas Leben ihrer Untertanen dem Hirngespinst des Ruhmes, der Länder-gier auf. Daher die beständigen Eroberungs- und Erbfolgekriegedes 17. und 18. Jahrhunderts; wie früher dem Religionshaß, so wurdenjetzt persönlichen Launen der Fürsten zuliebe Millionen von Menschenhingewürgt oder elend gemacht.
2. Die Ungleichheit der Stände.—DerUnterhaltderstehendenHeere, der üppige Hofhält, die Günstlinge und Maitressen der Fürsten,von denen auch die kleinsten es einem Ludwig XIV. gleichtun wollten,verschlangen ungeheure Summen. Um ihre leeren Kassen zu füllen,griffen sie zu allen möglichen Mitteln: Stellen und Aemter, Adels-titel und Vorrechte jeder Art waren bei ihnen um Geld zu haben. Ausden Untertanen aber erpreßten sie so viel wie möglich. Die Steuer-last, schon an sich ungeheuer, wurde um so drückender, als sie vorzugs-weise auf einer Klasse der Bevölkerung ruhte und zwar auf derärmeren. Fast überall genossen derAdel und dieGeistlichkeit wennnicht gänzliche Steuerfreiheit,^ doch Befreiung von den schwerstenAuflagen. In Frankreich z. B. bezahlte der Klerus, der V',, des ganzenGrundes und Bodens besaß und dazu noch den Zehnten von allenGütern empfing, an den Staat wenig oder nichts. Ebenso waren derAdel und die königlichen Beamten von der Hauptsteuer, der rnills,ausgenommen. So lastete diese ausschließlich auf den Bürgerlichen,die kaum die Hälfte des Bodens besaßen; dazu kamen der Zehntenan die Geistlichkeit, die Feudalabgaben an die Gutsherrn und dieFrondienste, die sowohl der Adel als der Staat ihnenauferlegten. Vorzüglich hart traf dies den Bauer, der von alledemso elend war, daß er kaum noch einem menschlichen Wesen glich.*)Dazu bestand noch fast allerorten die L e ib e i g e n s ch a f t; je weiter
*) »Man sieht", schrieb 1689 ein berühmter französischer Schriftsteller,„gewisse wilde Tiere auf dem Lande zerstreut, Männchen und Weibchen,schwarz, fahl und von der Sonne verbrannt, auf den Boden gekauert, densie mit unbrsieglicher Hartnäckigkeit durchwühlen. Sie haben eine Art arti-