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Ein Richter in Fulda rühmte sich, er habe schon 700 Hexen dem Feuerüberliefert und hoffe es bis auf 1000 zu bringen. Im Bistum Bam-berg wurden in einem Jahrzehnt 600 Personen, darunter 22 Mägdleinunter zehn Jahren wegen Zauberei verbrannt. Nicht an die Hexenzu glauben, galt für . eine Art Gottesleugnung. Dennoch erhoben,allmählich einzelne wackere Männer ihre Stimme gegen diesen Greuel,so der protestantische Arzt Weyerin Düsseldorf, der 1563, und derJesuit Friedrich Sp e e, der während des dreißigjährigen Kriegeseine Schrift dagegen herausgab. Allein die Verfolgungen dauertennoch tief ins 18. Jahrhundert hinein; in Frankreich fand die letzte Hin-richtung 1718, in Deutschland 1775 statt, in Glarus erlitt noch 1782und in Posen sogar noch 1793 eine Hexe den Tod.
6. Barbarei der Rechtspflege. — Diese unzähligenJustizmorde wären unmöglich gewesen ohne die barbarischeRechtspflege jener Zeit. In dem Angeklagten erblickte das Ge-richt nur zu leicht auch schon den Schuldigen.* *) Kein Verteidigerwurde ihm zur Seite gegeben. Nachdem er Wochen- und monatelangim dumpfen Kerker geschmachtet, wurde er hervorgeholt und auf dieFolter gespannt, um das Geständnis seiner Schuld abzulegen. Wiemancher bekannte sich da schuldig, nur um der Marter los zu werden!Die Strafen standen in keinem Verhältnis zur Schuld. Wer mitdem Pranger, mit Brandmarkung und Verstümmelung, mit Verlustseines ganzen Vermögens davon kam, konnte in gewissem Sinne vonGlück sagen. Die Todesstrafen wurden für Vergehen ausgesprcchen,die heute mit ein paar Monaten Gefängnis bestraft würden; noch inder Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in einem einzigen bayrischenRentamtsbezirk während 25 Jahren 1100 Hinrichtungen vollzogen.Für schwere Verbrechen genügte deshalb die einfache Todesstrafenicht; Ausreißen der Zunge, Zwicken mit glühenden Zangen, Begießen
Haufen verurteilt: mehrere Adlige beiderlei Geschlechts, 4 Chorherren, 14Domvikare, die Frau des Bürgermeisters, einige Ratsherren, ja sogar dernächste Verwandte des Fürstbischofs und letzte Sproß seines Geschlechts.
*) Ein witziger Franzose sagte: „Wenn mau mich anklagte, die Türmeder Notre-Dame.gestohlen zu haben, so würde ich es vorerst fürs Klügstehalten, mich in Sicherheit zu bringen".