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Campomanes, hatte sich durch seine Schriften hohen Ruhm inEuropa erworben. Durch gerechtere Verteilung der Steuerlast undsparsamen Haushalt erleichterte Karl III. den Ackerbau. Um die ver-ödeten Gegenden zu bevölkern, ließ er Tausende von Ansiedlern ausder Fremde kommen, darunter zur Bestürzung seiner bigotten Unter-tanen sogar Ketzer. Um die Industrie zu heben und dem unseligenVorurteil der Spanier gegen die Arbeit zu begegnen, erklärte er durchein Gesetz, daß Handel und Gewerbe sich mit dem Adel ganz wohlvertrügen. Zur Beförderung des Handels legte er Straßen und Kanälean, und es gelang ihm durch Beseitigung von Monopolen und Zöllen,ihn binnen kurzem auss Fünffache zu steigern. Auch schuf er eineMarine, die im amerikanischen Unabhängigkeitskriege ehrenvoll kämpfte,so daß Spanien wieder als die dritte Seemacht Europas dastand.Für den Volksunterricht war er nicht minder besorgt; er erklärte ihnin einem Gesetz für die vornehmste Pflicht des Staates. Dies alleserscheint um so bewunderungswürdiger, als er und seine Ministerbei diesen Neuerungen in dem abergläubischen, von den Priesternaufgehetzten Volke nicht nur keine Unterstützung, sondem gelegentlichoffenen Widerstand fanden. Aus Rücksicht auf das Volk wagteKarl III. nicht, die Inquisition gänzlich abzuschaffen; doch schränkteer sie dermaßen ein, daß sie während seiner 30-jährigen Regierungnur vier Opfer dem Scheiterhaufen überliefern konnte. Als ein Mi-nister in Madrid die Straßenreinigung einführen wollte, erklärtendie spanischen Ärzte, die scharfe Ausdünstung des Schmutzes reinigedie Lust, und als im Interesse der öffentlichen Sicherheit die breit-krämpigen Hüte und die langen Mäntel verboten wurden, unter welchenman leicht Gesichter und Waffen verstecken konnte, erhob sich ein offenerAufstand. Karl behauptete, Beweise zu haben, daß die Jesuiten diesenangestiftet hätten, und beschloß, sich ihrer zu entledigen. Sein ener-gischer Minister Aranda, ein Freund der Enzyklopädisten, ließ plötzlichan einem und demselben Tage in Spanien und den Kolonien alleJesuiten verhaften, auf Schiffe bringen und dem Kirchenstaate zu-führen, da sie ja eher Untertanen des Papstes als des Königs seien.Allein auf den Rat des Jesuitengenerals empfing die päpstliche Regie-rung die Schiffe mit Kanonenschüssen. Nun fuhren diese von einem