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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
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2. Josephs Ausgang. Aber Joseph II. verfiel in den ge-wöhnlichen Fehler der aufgeklärten Monarchen. Er regierte zu viel,er wollte alles, Großes und Kleines, selber tun und entscheiden undduldete keinen Widerspruch. Er gebot sogar, die Toten in Säcken zubegraben, statt in Särgen, damit sie schneller verwesen. Weil er vonder Reinheit seiner Absichten überzeugt war,/glaubte er immer auchdas Richtige zu treffen, und doch waren viele seiner Maßregeln ganzverkehrt. So meinte er den Wohlstand seines Reiches zu erhöhen,indem er es vom Verkehr mit dem Auslande fast gänzlich absperrteund jede Einfuhr von fremden Fabrikaten und Genußmitteln aufsstrengste untersagte. Um seine Reformen leichter durchzusetzen, be-absichtigte er, die durch Zufall und unter den verschiedensten Bedin-gungen an Habsburg gekommenen Länder in einen vom Kaiser durchseine Beamten regierten absolutistischen Einheitsstaat mit gleichenGesetzen und gleicher Verwaltung zu verwandeln und in dem viel-sprachigen Reiche das Deutsche als einzige Amtssprache einzuführen.Dadurch verletzte er aber das Selbständigkeitsgesühl der verschiedenenVölkerschaften, insbesondere der Ungarn und Belgier, deren alt-hergebrachte, verbriefte Rechte und Freiheiten er im Interesse desGanzen mißachten zu dürfen glaubte. Sicherlich hätte Joseph II.seiner ganzen Kraft bedurft, um seine zahllosen innem Reformen durch-zusetzen. Aber er war zugleich rastlos bestrebt, alsMehrer" seinesReiches zu glänzen, und stürzte es durch seinen unruhigen Ehrgeiz indie größten Gefahren. Noch zu Lebzeiten Maria Theresias entzündeteer einen neuen Krieg mit Preußen. Als die regierende Linie desbayrischen Kurfürstenhauses 1778 ausstarb, wollte er unter dem Vor-munde von Erbansprüchen ein großes Stück Bayerns an sich reißen.Aber Friedrich der Große, eifersüchtig auf jeden Machtzuwachs Öster-reichs in Deutschland, warf sich zum Verteidiger der bedrohtendeutschenFreiheit" auf uud rückte mit einem Heere in Böhmen ein. MariaTheresia wollte es nicht auf den ungewissen Ausgang einer Schlachtankommen lassen, und Joseph mußte sich mit einer kleinen Ecke Bayerns,dem sogen. Jnnviertel, begnügen. Einige Jahre später suchte er seinenZweck zu erreichen, indem er dem neuen Kurfürsten von Bayern dasentfernte Belgien zum Tausch anbot. Schon war der Handel so gut