Buch 
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / Wilhelm Oechsli
Seite
302
JPEG-Download
 

302

wie abgeschlossen, als Friedrich der Große abermals dazwischen trat,einen Fürstenbund nach Art des schmalkaldischen gegen den Kaiserstiftete und diesen nötigte, von seiner Absicht abzustehen (1785). Dar-auf begann Joseph II. im Bund mit Katharina II. von Rußlandeinen Krieg gegen die Türkei, in der Absicht, diese zu teilen. Sofortbildete sich ein Bündnis zwischen Preußen, England und Polen, umdie Türkei vor den russisch-österreichischen Teilungsplänen zu retten.Zugleich brach in Brüssel der offene Aufstand aus, die kaiserlichenTruppen wurden vertrieben, und Belgien erklärte sich unabhängig.Auch in Ungarn regte sich, von Preußen heimlich geschärt, drohenderWiderstand, und Joseph, der sich in einem Feldzug in die Walacheiden Keim zu unheilbarer Krankheit geholt hatte, sah sich genötigt,noch auf dem Todbette die meisten seiner Neuerungen zu widerrufen;doch beharrte er unerschütterlich auf dem Toleranzedikt und der Auf-hebung der Leibeigenschaft. Schmerzlicher Erfahrung voll, wünschte ersich die Grabschrift:Hier ruht ein Fürst, dessen Absichten rein waren,der aber das Unglück hatte, all seine Pläne scheitern zu sehen." Erstarb 49 Jahre alt, tief betrauert vom niedern Volke, das ihm denAnfang seiner Befreiung verdanke.

3. Leopold II. (179092). Ihm folgte sein Bruder Leo-pold II., bisheriger Großherzog von Toskana. Das Haus Loth-ringen hatte nämlich sein Stammland an Frankreich überlassen unddafür den Thron von Toskana erhalten, der durch Aussterben derMedici erledigt war. Dort hatte er sich als ein Neuerer wiesein Bruder bewiesen. Er war der erste, der den Handel vollständigfreigab und die Todesstrafe im Sinne Beccarias abschaffte. In Wienmußte er aber vor allem daran denken, die Verwirrung, in der Josephdas Reich hinterlassen, zu beseitigen. Daher schloß er Frieden mitden Türken und beruhigte die Belgier und Ungarn, indem er ihnenihre alte Verfassung zurückgab. Den Klerus stellte er zufrieden, indemer die kirchlichen Neuerungen Josephs größtenteils aufhob, und denAdel, indem er seine Steuervorrechte herstellte und die Untertänigkeitder Bauern wieder verschärfte. So ging Josephs Wirken fast spurlosan der Monarchie vorüber.

4. Katharina II. von Rußland (176296). Auch Ruß-