III. Die Neuzeit.
68
Polen Besitz genommen, Peter ist in Finnland, der König vonDänemark, dem sich Hannover und Preußen angeschlossenhaben, in Schwedisch-Pommern eingefallen. Karl sucht denDänen Norwegen zu entreißen und wird vor der Festung
1718 Friedrichshall erschossen. Ihm folgt seine SchwesterUlrike Eleonore.
1720 Friede zu Stockholm: Dänemark bekommt Schleswig;Preußen: Vorpommern bis zur Psene mit Stettin, Usedomund Wollin; Hannover: Bremen und Werden.
1721 Friede zu Nystadt in Finnland zwischen Schweden undRußland: Schweden tritt Livland, Esthland und Jngerman-land an Rußland ab, erhält aber Finnland zurück.
1713—1740 Auf den ersten preußischen König folgt sein SohnFriedrich Wilhelm I. von bürgerlicher Einfachheit und großerSparsamkeit: er löst den Hofstaat seines Vaters auf undschafft die Prunkfeste ab (Tabakskollegium). Er ist einfrommer und zugleich kerndeutscher Mann. Pflichttreu undgewissenhaft, wie er ist, verlangt er es auch von seinenBeamten. Um die auswärtige Politik kümmert er sich wenig,im Utrechter Frieden erwirbt er Geldern, im StockholmerVorpommern. Seine Hauptsorge richtet er auf dieOrdnung der inneren Verwaltung und auf dasHeerwesen. Die Zahl der Soldaten verdreifacht er,besondere Freude hat er an seinem Potsdamer Leib-regiment, „den langen Kerls" oder „blauen Jungens".„Soldatenkönig." Große Dienste in der Ausbildung derTruppen leistet ihm Fürst Leopold von Dessau (eisernerLadestock, Gleichschritt). Der Landwirtschaft sucht er auf jedeWeise aufzuhelfen: Austrocknung sumpfiger Gebiete; Auf-nahme der vertriebenen protestantischen Salzburger, die erbei Gumbinnen ansiedelt; Milderung der Leibeigenschaft derBauern in Gutsuntertänigkeit; Heranziehung des Adels zuden Abgaben; Verbot der Einfuhr fremden Getreides.Seine Sorge für das geistige Wohl des Volkes: Wissenschaftund Kunst schätzt er nur, soweit sie praktischen Wert haben,aber er verlangt, daß jeder Untertan lesen, schreiben undrechnen kann. Errichtung von 2000 neuen Schulen, Anfangdes Schulzwanges (vom 5. bis 12. Jahre). Bei seinem Todehinterläßt er seinem Sohne ein wohlgeübtes Heer von 83000Mann und einen Kriegsschatz von 9 Mill. Talern.
Das geitalter Friedrichs des Trotzen.
1740—1786 Friedrich II., der Große, der alte Fritz. Geboren am24. Jan. 1712, verlebt er eine äußerst strenge Jugend; wegenseiner Vorliebe für Musik (Flötenspiel) und Wissenschaft(französische Literatur) Entfremdung zwischen Vater undSohn. „Querpfeifer und Poet"; nicht selten tätlicheMißhandlungen von feiten des Vaters. Fluchtversuch desSohnes auf einer Reise nach Süddeutschland bei Heidelberg.Gefangener in Küstrin, sein Freund Kalte wird hingerichtet.Später Beschäftigung an der Kriegs- und Domänen-kammer; vollständige Versöhnnng durch die Heirat derRepetitorium. VI. Geschichte. 6