130
der Anklage auf Giftmord und andere scheußliche Verbrechen entsetzt.Der zweite legte seine Gewalt freiwillig nieder; der dritte, der sich hart-näckig weigerte, sah sich von aller Welt verlassen, und das vom Konzilnengewählte Oberhaupt, Martin V., fand sofort überall Anerkennung.Das Schisma war beendigt; aber die Hoffnungen auf gründliche Hei-lung der Mißbräuche erfüllten sich keineswegs. Der neue Papst wußteeine weitere Reform schlau zu hintertreiben, bis er in einer Seuche denschicklichen Vvrwand fand, um das Konzil aufzulösen (1418).
4. Wiklif (ch 1384) und Hus (ch 141-5). — Was wäre indesvon einer Versammlung zu erwarten gewesen, die den traurigen Ruhmeines Ketzergerichts, nicht verschmähte! Während die Menge das Heilder Kirche von den Konzilien erwartete, hatten einzelne kühne Männerden Mut, auf eigene Faust als Reformatoren aufzutreten. So hatteder gelehrte Engländer Wiklif, der hervorragendste Lehrer an derHochschule zu Oxford, die Herrschsucht und Habgier der Päpste, dieUnsittlichkeit des hohen und niederen Klerus in Wort und Schrift aufsschärfste angegriffen. Gestützt auf die Bibel, die er selber ins Englischeübersetzte, hatte er sogar gewagt, die Messe, die Beichte, die Bilder- undHeiligenverehrung, das Mönchstum und andere Kirchengebräuche alsunchristlich zu verwerfen. Anfänglich hatte Wiklif mit seinen Lehrenim Volke und unter den Großen feines Landes viel Anklang gefunden;allein der Bauernaufstand des Wat Tpler erschreckte seine vornehmenAnhänger, die Gegner legten ihm die Aufregung des Volkes zur Last,und während er selbst noch eines ruhigen Todes sterben konnte, räumtenblutige Verfolgungen unter seinen Jüngern auf. — Dafür schlugenseine Lehren in dem fernen Böhmen neue Wurzeln. Hier begeistertesich Johannes Hus, Prediger und Professor an der Präger Hoch-schule, ein tiefernster, nach Wahrheit dürstender Geist, an WiklifsSchriften zum ausharrenden Kampfe gegen die Mißstände in der Kirche,und die Macht seiner Rede, die Reinheit feiner Absichten gewannen ihmdie Herzen seiner Landsleute. Weder Bann noch Interdikt vermochtenihre Anhänglichkeit an ihn zu brechen. Da lud ihn das KonstanzerKonzil zur Verantwortung vor sich. Hus folgte der Aufforderung, bauendauf einen Geleitsbrief des Kaisers, der ihm sichere Heimkehr verbürgte.Kaum war er jedoch in Konstanz angekommen, wurde er gefangen ge-