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Städten, und mit reich befrachteten Schiffen kehrte er nach Hause. Demruhmvollen Entdecker des so lange gesuchten Seeweges^nach JndienZwarneben vielen anderen Ehren beschieden, von dem größten portugiesischenDichter besungen zu werden, von Camoens (sprich Camoängsch), derGamas Fahrt zum Gegenstände eines herrlichen Heldenliedes, „DieLusiaden", gemacht und dadurch der größten Tat seines Volkes einwürdiges Denkmal gesetzt hat (um 1570).
5. Columbus (1456—1506). — Sofort wurde ein zweites Ge-schwader ausgerüstet und nach Indien gesandt. Der Befehlshaber des-selben, Cabral, ein Freund Gamas, Hielt aber zu weit westlich undgeriet in eine Meeresströmung, die ihn an ein bisher unbekanntes Ge-stade führte (1500). Das neue Land, das er sofort für seinen König inBesitz nahm, war Brasilien, und auch der Ruhm, Amerika entdecktzu haben, wäre dadurch den Portugiesen zuteil geworden, wenn nichtein Italiener durch eine kühne Tat ihnen denselben schon vorweggenom-men hätte. Das war Christoph Columbus, Sohn eines Tuch-webers in Genua, der sich frühzeitig dem Seeberufe gewidmet unddarin ausgezeichnet hatte. Nach zahlreichen Fahrten, deren eine ihnvon England aus nach Island und darüber hinaus geführt habensoll,*) begab er sich nach dem Beispiel anderer Italiener auf den Schau-platz der großen Entdeckungen, nach Portugal. Hier vermählte er sichmit der Tochter eines Afrikafahrers und machte eine Reise an die Gold-küste mit. Daneben war er unermüdlich darauf bedacht, sich in seinemBerufe zu vervollkommnen) und studierte mit Eifer Mathematik, Astro-nomie und Erdkunde. Nun las Columbus in einem Buche, da die Erdeeine Kugel sei, müßte man, von Spanien aus immer nach Westen fahrend,zuletzt an den Ostrand Asiens gelangen. Wie hätte dieser Gedanke einenSeemann, der in den höchsten Norden und tiefsten Süden der damaligenSchiffahrt gedrungen war, nicht locken sollen, zumal er das Rätsel desindischen Seeweges, den man seit einem halben Jahrhundert so mühsam
*) Man könnte daher vermuten, Columbus habe dort Kunde von den Winland-fahrten (siehe S. 57) erhalten und sei dadurch zu seinem Unternehmen angeregtworden. Allein die Nachricht von einem so nah an Island gelegenen Festlandehätte ihn nur beunruhigen können; denn nicht einen neuen öden Kontinent, son-dern die bevölkerten Gestade Ostasiens wollte er auffinden.