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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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seine Mißhandlungen znr Flucht ins Ausland und ließ ihn, als er ihndurch trügerische Versprechungen wieder zurückgelockt hatte, im Kerkerzu Tode knuten. Peter war in seinem Despotismus so konsequent, daßer sogar die Bestimmung des Nachfolgers der Willkür des jedesmaligenZaren und nicht dem Zufall der Geburt anheimgestellt wissen wollteund nach Alereis Tod ein entsprechendes Gesetz erließ. Dadurch be-wirkte er aber nur, daß der Thron der Spielball der Höflinge undGeneräle wurde, die mit Vorliebe Frauen darauf erhoben. So folgteauf ihn zunächst Katharina I., die der Zufall aus einer Leibeigenenznr Geliebten und Gemahlin des Kaisers gemacht hatte, dann aus kurzeZeit sein Enkel Peter II., hierauf seine Nichte Anna und zuletzt erstseine Tochter Elisabeth. Diese Weiber ließen sich gänzlich von ihrenGünstlingen beherrschen, teils einheimischen, teils ^fremden Abenteurern,die sich wiederum gegenseitig stürzten und meist nach kurzer Herrlichkeitin Sibirien Muße bekamen, über die Vergänglichkeit irdischen Glückesnachzudenken.

III. Mißständc in Staat und Gesellschaft im 17. und18. Jahrhundert.

Kolb, Kulturgeschichte der Menschheit, 2 Bde. Henrie-am-Rhyn. Allgemeine Kulturgeschichte.7 Bde. Derselbe. Kulturgeschichte des deutschen Volkes, 2 Bde. Scherr, Deutsche Kultur- undSittengeschichte. Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit. Dd. UI und IV. Biedermann,Deutschland im 18. Jahrhundert. 4 Teile. Kapp, Der Eoldatenhandel deutscher Fürsten nachAmerika. ?smo, N/Oicien kexime. Luoklo, ok civilisnticm, 3 Bde. Soldan-Heppe,

Geschichte der Herenprozesse. 2 Bde. Hansen, Iauberlvahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittel-alter. Riezler, Geschichte der Hexenprozesse in Daiern. v. Hvensbroech, Das Papsttum in seinersozial-kulturellen Wirksamkeit, 2 Bde.

1. Das D espv teutui». Während des 17. Jahrhundertshallen die Fürsten fast allerorten es verstanden, die letzten Schrankenwegzuräumen, die sie in der Ausübung ihrer Gewalt gehemmt hatten.Da sich im Königtum die staatliche Einheit gleichsam verkörperte,war dies in gewissem Sinne ein Fortschritt zu nennen. Die trotzigeFeudalaristokratie, die früher keinen Willen als den ihren gekannt,hatte gelernt, sich vor einem Höher» zu beugen. Überhaupt begannen,durch die königliche Autorität geeint, die verschiedenen Stände undLandesteile, von denen jeder früher nur seine besonderen Interessen imAuge gehabt hatte, sich als Glieder eines größern Ganzen, eines Staateszu fühle». Aber dieser Fortschritt war durch einen Rückschritt erkauft