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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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wohlwollendes Herz gerühmt wird, ließ 1687 nach der WiedereroberungUngarns den Adel des Landes zu Eperies in Masse soltern, köpfen,rädern und vierteilen, um ihn zur Verzichtleistung auf sein Recht zurKönigswahl zu zwingen. Wenn König Friedrich Wilhelm I. vonPreußen die Laune ankam, prügelte er die Leute auf den Straßen, sodaß ihm jedermann voller Furcht aus dem Wege ging. Um sein Riesen-regiment zu füllen, betrieb er einen förmlichen Menschenraub; keinwohlgewachsener Mensch, ob Student, ob Banernbursche, war vorseinen Häschern sicher. Um Peter I., der ihm große Russen geschenkthatte, seine Erkenntlichkeit zu beweisen, ließ er preußische Schmiedeaufheben und gewaltsam nach Rußland schleppen. Noch im amerika-nischen Befreiungskriege verkaufte der Landgraf von Hessen nebst anderndeutschen Fürsten Tausende seiner Landeskinder als Soldaten an Eng-land und führte aus dem Ertrage dieses Menschenhandels einen Hof-hält, der an verschwenderischer Pracht mit Versailles wetteiferte. Dadie meisten Höfe zugleich ein Herd der schamlosesten Sittenverderbniswaren der französische gab dabei den Ton an, wurde aber vonmanchem deutschen noch übertrosfen so war zwischen asiatischerSnltanswirtschaft und derjenigen manches europäischen Monarchen keingroßer Unterschied mehr, und wenn einzelne treffliche Fürsten ihreMacht zum Nutz und Frommen ihres Volkes verwandten, wer bürgtedafür, daß ihre Nachfolger nicht andern Sinnes waren? Und selbst dieBesseren opferten ohne Bedenken den Wohlstand und das Leben ihrerUntertanen dem Hirngespinst des Ruhmes, der Ländergier auf. Daherdie beständigen Eroberungs- und Erbsolgekriege des 17. und 18. Jahr-hunderts; wie früher dem Religionshaß, so wurden jetzt persönlichenLaunen der Fürsten zuliebe Millionen von Menschenchingewürgt oderelend gemacht.

2. Die Ungleichheit der Stände. Der Unterhalt derstehenden Heere, der üppige Hofhält, die Günstlinge und Maitressender Fürsten, von denen auch die kleinsten es einem Ludwig XIV. gleich-tun wollten, verschlangen ungeheure Summen. Um ihre leeren Kassenzu füllen, griffen sie zu allen möglichen Mitteln: Stellen und Aemter,Adelstitel und Vorrechte jeder Art waren bei ihnen um Geld zu haben.Aus den Untertanen aber erpreßten sie so viel wie möglich. Die Steuer-